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Das Auto als öffentliche Mobilitätsressource

Automobilität befindet sich im Wandel. Neue Formen der Autonutzung stehen in der öffentlichen Diskussion. Von Seiten der Wissenschaft und auch von Seiten der Automobilindustrie wird darauf hingewiesen, dass der innovative Einsatz von Automobilität in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Das Auto soll dabei nach einhelliger Meinung nicht abgeschafft werden – seine Ressourcen sollen nur anders genutzt werden als bisher.

Das Automobil ist so erfolgreich, dass es nur einen wirklichen Feind hat, nämlich sich selbst. Seine massenhafte Verbreitung ist eine Herausforderung an die Zukunft des Straßenverkehrs.

Eberhard von Kuenheim (ehem. Vorstand BMW AG)

Gründe für die Diskussion um die Nutzungsweise von Autos liegen zum einen in der Entwicklung der Verkehrssituation der Großstädte. Parkplatzprobleme, permanenter Verkehrsstau und Umweltbelastung verdeutlichen: die Idee, dass jeder Mensch ein Auto besitzen und exklusiv nutzen kann, ist an Grenzen gestoßen. Und da in Zukunft immer mehr Menschen in urbanen Ballungszentren leben werden, wird urbane Motorisierung unausweichlich zu einem Problem, das neue Lösungsansätze erforderlich macht. Entsprechend zeichnet sich besonders bei jüngeren Generationen ein verändertes Nutzungsverhalten von Automobilität ab. Wissenschaftler beobachten, dass das Statussymbol Auto auf dem Rückzug ist. Jüngere Großstadtbewohner nutzen Mobilitätsdienstleistungen flexibel, ad hoc und je nach Bedarf. Das Auto ist nur noch eine Mobilitätsressource unter anderen, wie Bus und Bahn und öffentliches Leihfahrrad. Die Anzahl der jungen Autobesitzer geht zurück, Autos werden genutzt, von einem Kauf wird aber abgesehen. Autohersteller und Mobilitätsdienstleister stellen sich auf diese neue Nutzungsweise von Automobilität ein.

Immer mehr junge Bewohner von Großstädten sehen Autos nicht mehr als Statussymbol an, dazu taugen neuerdings eher die neuesten Smartphones. Die Jungen wollen zwar – neben Bahn fahren und fliegen – auch Auto fahren, aber sie wollen deshalb nicht unbedingt gleich ein Auto kaufen. Der Anteil der Neuwagenkäufer unter 30 Jahren hat sich dementsprechend in Deutschland binnen zehn Jahren auf 7 Prozent halbiert.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12. Mai 2010

Der urbane Verkehr der Zukunft ermöglicht motorisierte Selbstbeweglichkeit, ohne dass man ein Auto kaufen muss.

Prof. Dr. Andreas Knie (Mobilitätsforscher, TU Berlin)

Autohersteller entwickeln innovative Mobilitätskonzepte, die eine flexible Nutzung von Automobilität ermöglichen. So wird in den Nutzungskonzepten car2go von Daimler und Mu von Peugeot Automobilität an öffentlich zugänglichen Stellen zum Gebrauch angeboten. Beispiel car2go: Über Internet oder Handy kann der Standort von verfügbaren Autos erfragt werden. Das Auto wird per Karte freigeschaltet. Die Abrechnung erfolgt dann je nach Nutzungsdauer. Nach Nutzung wird das Auto an einer beliebigen Stelle im Stadtraum abgestellt. Autohersteller beginnen sich zu wandeln – vom Hersteller zum Anbieter von Automobilität.

Mit car2go haben wir als Innovationsführer im Bereich urbaner Mobilität in kürzester Zeit ein vollkommen neues und attraktives Geschäftsmodell entwickelt, das nicht nur weltweit für große Aufmerksamkeit sorgt, sondern auch eine mögliche Antwort für den Verkehr der Zukunft in den globalen Ballungszentren bietet.

Dr. Thomas Weber (Vorstand Daimler)

Ich erwarte, dass jedes Automobilunternehmen zu einem Mobilitätsunternehmen wird

Klaus Töpfer (Bundesminister für Umwelt a. D.)

Auch öffentliche Mobilitätsdienstleister integrieren Autos in ihr Dienstleistungskonzept. So ist die Deutsche Bahn schon lange im Carsharing Geschäft aktiv. Mit dem Mobilitätskonzept „Flinkster“ hat sie auch ein auf urbane Mobilitätsbedarfe zugeschnittenes Angebot zur Autonutzung im Programm. Verkehrsverbünde und Verbände wie der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) kooperieren mit Carsharing-Anbietern, um eine Vernetzung von öffentlichem Verkehr und Autonutzung voranzutreiben.

Flinkster bietet Dir genau so viel Auto wie Du brauchst – da wo Du es brauchst, solange Du es brauchst

Deutsche Bahn Werbung

Auch wer regelmäßig mit Bussen und Bahnen der Verkehrsunternehmen fährt, benötigt ab und zu mal ein Auto. Deswegen ist CarSharing die ideale Ergänzung der Mobilitätsangebote unserer Mitgliedsunternehmen.

Claudia Langowsky (Hauptgeschäftsführerin VDV)

Über die Angebote einzelner großer Mobilitätsanbieter und Hersteller hinaus bieten bereits ca. 110 Carsharing-Anbieter Automobilität in Deutschland an. Ca. 137.000 Personen nutzten 2008 das Angebot, Tendenz stark steigend. Carsharing wird in Zukunft wahrscheinlich weiter an Relevanz gewinnen. Denn Carsharing nutzt Automobilitätsressourcen effektiv, spart Kosten und schont die Umwelt: Da die Fahrzeugfixkosten durch eine Vielzahl von Personen getragen werden, können die Nutzungspreise niedrig gehalten werden. Durchschnittlich teilen sich dann 35 Nutzer ein Carsharing-Auto. In größeren Städten werden Carsharing-Fahrzeuge 20 bis 35 %, private Pkw dagegen weniger als 4 % der Zeit pro Tag genutzt. Die vom Carsharing-Auto bereitgestellten Mobilitätsressourcen werden also extensiv genutzt, es sind weniger Autos notwendig, um den Bedarf an Automobilität zu decken. Dies ist ein Weg, den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen umzusetzen.

Die gemeinschaftliche Autonutzung durch CarSharing wird immer gesellschaftsfähiger. Immer mehr Autokonzerne sprechen im Zeichen der Krise davon, dass möglicherweise nicht das Verkaufen von Autos zukünftig das Hauptaugenmerk der Hersteller beanspruchen wird, sondern vielmehr die Bereitstellung einer Nutzungsdienstleistung.

Bundesverband CarSharing

Seit einigen Jahren ist jedoch für einige Kernstadtbereiche eine sinkende Pkw-Ausstattung zu beobachten. Gleichzeitig sind ein steigender Fahrradanteil und eine günstige Entwicklung der ÖV-Fahrgastzahlen zu konstatieren. Eine simultan hierzu ablaufende Entwicklung ist der Erfolg von Car Sharing Programmen. Es ist wahrscheinlich, dass für diese parallelen Prozesse nicht allein ökonomische oder bevölkerungsstrukturelle Gründe ausschlaggebend sind. Stattdessen liegt die Vermutung nahe, dass die kombinierten Alternativen zum Privat-Pkw inzwischen eine Qualität erreicht haben, die den Verzicht auf den Privat-Pkw in urbanen Räumen ermöglicht, ohne dass dies eine Einschränkung der Mobilitätsmöglichkeiten darstellt.

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

Einen Schub erhalten die neuen Mobilitätskonzepte durch die Elektromobilität. Elektroautos revolutionieren nicht nur die Antriebstechnologie herkömmlicher Fahrzeuge. Auch die Nutzungsweise wird durch ihren Einsatz verändert: nach Expertenmeinung wird eine Integration von Elektroautos in den öffentlichen, urbanen Verkehr stattfinden. Elektroautos werden aller Voraussicht nach zunächst hauptsächlich in Großstadtbereichen eingesetzt werden. Durch die Integration von Elektroautos in die bestehenden Verkehrsnetze des öffentlichen Verkehrs wird dieser systematisch erweitert. 

Die Formen heutiger Mobilität werden sich verändern. Sie werden vielfältiger, individueller und besser an moderne Stadtbilder und fortschrittliche Mobilitätskonzepte angepasst werden. Elektrofahrzeuge werden dazu beitragen, die Lebensqualität vor allem in Ballungsräumen deutlich zu erhöhen.

Nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität 

Derzeit zeigen Elektrofahrzeuge ihre Stärken vor allem im urbanen Bereich mit kurzen Wegestrecken und häufigen, langen Zwischenhalten. Hier kommen die Vorteile der lokalen Emissionsfreiheit und der Lärmreduktion voll zum Tragen. Für längere Wegstrecken und insbesondere die Dauer des Ladevorganges ist der Umstieg auf den öffentlichen Nah- und Fernverkehr eine ideale Ergänzung. Verbindet man den Öffentlichen Verkehr mit dem Einsatz von Elektrofahrzeugen, entstehen Synergieeffekte - mehr Flexibilität und Individualisierung auf der einen Seite, sowie Nachhaltigkeit und weniger Umweltbelastung auf der anderen.

Deutsche Bahn Projektbeschreibung "BeMobility"

Elektroautos stehen wie Busse und Bahnen praktisch jedem an öffentlichen Parkplätzen und überall an Knotenpunkten des öffentlichen Verkehrs zur Verfügung. Moderne Technologieplattformen erlauben einen leichten Zugang mit Handy oder Karte. Ohne Vorbuchung einfach einsteigen, fahren und dann an einem beliebigen anderen Stromparkplatz wieder abgeben: Diese Eigenschaften machen die Fahrzeuge zu einem öffentlichen Verkehrsmittel.

Prof. Dr. Andreas Knie (Mobilitätsforscher, TU Berlin)

Elektromobilität funktioniert nur im Zusammenspiel mit allen Beteiligten. Es reicht nicht aus, nur einen neuen Motor in die Fahrzeuge einzubauen. Wir brauchen neue Mobilitätskonzepte.

Dr. Peter Ramsauer (Bundesverkehrsminister)

Insgesamt ist also eine Bewegung von der privaten Motorisierung mittels Auto zu einer Integration des Autos in den öffentlichen Verkehr zu beobachten. Autos werden vor allem in urbanen Ballungszentren mit anderen öffentlichen Verkehrsträgern je nach Bedarf kombiniert. Hierdurch ist die Teilhabe von behinderten Menschen an Mobilitätschancen gefährdet. Neue Anforderungen müssen berücksichtigt werden, damit die allgemeine Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Automobilität gewährleistet ist. Bei anderen öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Bahn wird Barrierefreiheit bereits umgesetzt. Das Ziel der barrierefreien Nutzbarkeit muss aber auch in Bezug auf öffentliche Autos gelten.

 


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