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Erfahrungsbericht zu einer Umrüstung

Mein neues Auto wird umgerüstet: Vom ersten Antrag bis zum fertigen Fahrzeug vor der Tür

Interview mit Marion S.

BA:

Du hast seit kurzem ein neues Auto, das für deine Zwecke umgerüstet wurde. Damit am Ende das perfekt angepasste Auto vor der Tür steht, muss an vieles gedacht und einiges in die Wege geleitet werden. Vor allem möchte man, dass die Kosten für das Auto und die Umrüstung soweit wie möglich übernommen werden. Mich interessiert, welche Erfahrungen du auf diesem Weg gemacht hast – von der ersten Antragstellung bis zum fertig umgerüsteten Fahrzeug. Welche Überlegungen zur Autoanpassung standen bei dir ganz am Anfang an?

Marion:

Bei mir ist es so, dass ich ein Auto brauche, um zur Arbeit fahren zu können. Für die tägliche Mobilität benutze ich einen Rollator und habe außerdem einen Rollstuhl dabei, den ich in bestimmten Situationen zusätzlich einsetze. Ich kann nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, da sie nicht barrierefrei erreichbar sind, der Weg dorthin zu weit ist und ich keine größeren Strecken laufen kann. Der Weg zur Arbeit wäre einfach zu weit, zu kompliziert und viel zu anstrengend für mich. Deshalb bin ich auf ein Auto angewiesen.

BA:

Welche Ansprüche hast du bei der Autosuche an das Auto gestellt?

Marion:

Wichtig ist, dass sich das Auto generell leicht bedienen lässt, genug Platz für meinen Rollator vorhanden ist und ich meinen Rollstuhl ohne große Kraftanstrengung selbst­ständig in den Kofferraum verladen kann. Am Anfang stand deshalb die Überlegung: Wie muss das Auto eigentlich aussehen, das meine Anforderungen weitestgehend unterstützen kann? Ich habe mit einigen Freunden darüber gesprochen, die zum Teil selber praktische Erfahrungen mit umgerüsteten Autos haben.

BA:

Du hast also bei der Autoauswahl schon berücksichtigt, dass es noch umgerüstet werden soll?

Marion:

Klar waren einige Anforderungen, die das Auto erfüllen muss. Etliche nützliche Funktionen sind heutzutage auch schon serienmäßig in Autos eingebaut – z.B. eine Servolenkung oder elektrische Fensterheber. Wenn man Leute kennt, die selber schon mal ein Auto haben umrüsten lassen und die über entsprechende praktische Erfahrungen verfügen, ist das eine große Hilfe, weil sie viele Tipps geben können.

BA:

Und wenn es im Freundeskreis niemanden gibt, der beim Thema Autoumrüstung weiterhelfen könnte? Wie und wo gibt es zu diesem Bereich Informationen?

Marion:

Eine große Hilfe kann auch der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe sein. Hier trifft man auf Menschen, die oftmals ähnliche Probleme haben. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass da jemand dabei ist, der sich mit der Autoumrüstung auskennt. Einfach mal anrufen lohnt sich auf jeden Fall.

Ansonsten gibt es natürlich sehr gute Informationen im Internet. Wer zu Hause einen Internetanschluss oder andere Möglichkeiten hat, ins Internet zu kommen, sollte diese Chance auf jeden Fall nutzen.

BA:

Konnte dir unser Autoportal www.autoanpassung.de auch weiterhelfen?

Marion:

Ja, da bekam ich einen guten Überblick über das ganze Thema. Ich habe z. B. nützliche Informationen rund um die Themen Finanzierung und Umrüstung gefunden. Oder eine Liste mit den Adressen der Autoumrüster in Deutschland, sortiert nach Postleitzahlen. Dies ist hilfreich, wenn man Kontakt zu einem speziellen Umrüster aufnehmen will.

BA:

Auf welchen Internetseiten hast Du dich noch informiert? Es gibt bestimmt auch andere gute Informationen.

Marion:

Man sollte auch auf den Internetseiten der Autohersteller vorbeischauen und gucken, welches Auto gefallen könnte. Hier kann man sich dann schon mal schlau machen, wie das Wunschauto serienmäßig ausgestattet ist und ob es in Frage kommen könnte. Auch die Seiten des ADAC lohnen sich. Ebenfalls hilfreich können Internetforen sein, in denen die Nutzer ihre Erfahrungen austauschen.

Natürlich bringt auch der Besuch bei einem Autohändler vor Ort neue Erkenntnisse. Wenn man sich z.B. mal in ein Ausstellungsfahrzeug setzt, merkt man unter Umständen sehr schnell, ob dieses Auto in Frage kommt oder nicht. Ich hätte das besser schon eher machen sollen!

BA:

Man sollte sich also am Anfang gut überlegen, was für ein Auto man haben möchte und generell konsequent alle zur Verfügung stehenden Informationsquellen nutzen.

Marion:

Ja, das ist ganz wichtig. Je besser informiert jemand an das ganze Thema heran­geht, desto einfacher wird dann hinterher auch die praktische Abwicklung.

Ich habe als erstes eine Liste gemacht mit allen Merkmalen, die das neue Auto erfüllen muss, also z.B. ein Automatikgetriebe, Türöffnung mit Fernbedienung, elektrische Fensterheber, eine Klimaanlage, eine Standheizung, beheizbare Außenspiegel, eine teilbare, umklappbare Rückbank und eine niedrige Ladekante im Kofferraumbereich. Außerdem war mir persönlich wichtig, dass das Auto einen geringen Benzinverbrauch und einen geringen CO2-Ausstoß hat und die grüne Plakette erhält. Als spezielle Umrüstung brauche ich einen Lifter im Kofferraum für die Rollstuhlverladung.

BA:

Nachdem du dir Gedanken über deine Anforderungen gemacht hast, was hast du als nächstes gemacht?

Marion:

Im Januar habe ich einen formlosen Antrag auf Kfz-Hilfe bei der Agentur für Arbeit gestellt. In dem Brief habe ich begründet, warum ich nicht mit öffentlichen Verkehrs­mitteln fahren kann und deshalb auf ein Auto angewiesen bin, um zur Arbeit zu kommen. Einen Arbeitsplatz zu haben, ist eine Voraussetzung für die Finanzierung.

Ich bekam dann recht schnell eine Antwort, dass ich bis Anfang Februar eine Reihe von Unterlagen einreichen sollte. Das waren im Einzelnen:

  • Kopie des Arbeitsvertrages
  • Letzte Lohn-/Gehaltsabrechnung
  • Kopie des Führerscheins
  • Kopie des Schwerbehindertenausweises
  • Gesundheitsfragebogen
  • Kostenvoranschlag für die benötigten Hilfsmittel
  • Kostenvoranschlag für das Auto und die behinderungsbedingten Umbauten
  • Kopie Feststellungsbescheid vom Versorgungsamt
  • Reha-Antragsunterlagen

Mein Problem war in dem Moment, dass ich mich noch nicht für ein konkretes Auto entschieden hatte. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, welches Modell für mich geeignet ist. Auch zu den konkreten Hilfsmitteln wusste ich noch nicht genug. Was ist geeignet und was lässt sich einbauen? Wie kann man also einen Kostenvoran­schlag liefern für etwas, das man noch nicht kennt?

BA:

Deshalb also dein Rat, sich entsprechend frühzeitig zu informieren. Hast du denn noch rechtzeitig alle Unterlagen zusammenbekommen?

Marion:

Nein, das ging nicht so schnell. Ich hatte die ersten Formulare auch falsch ausgefüllt,   dann einen neuen Formularsatz angefordert und eine Fristverlängerung für die Abgabe der Unterlagen in der letzten Februarwoche bekommen. Das war kein Problem.

BA:

Aber dann hattest du ja noch eine ganze Menge zu erledigen, um alle Unterlagen zusammenzubekommen, die du der Arbeitsagentur zusenden solltest.

Marion:

Ja, ich musste noch eine Menge herausfinden und habe vieles im Internet recher­chiert. Man kann auf den Internetseiten der Autohersteller die verschiedenen Modelle selber konfigurieren und auch gleich einen vorläufigen Kostenvoranschlag selbst erstellen. Das ist wirklich praktisch. Nach den vielen Recherchen im Internet habe ich so endlich ein Auto gefunden, das ich in der engeren Wahl hatte, einen Renault Modus Grand Dynamique.

BA:

Dann stellt sich nur noch die Frage, ob das Auto in der Realität auch das hält, was es auf der Internetseite verspricht.

Marion:

Um das herauszufinden, war ich bei einem Autohändler in meiner Nähe. Ich wollte mir das Auto mal genau ansehen und einige Dinge ausprobieren, z.B. ob das Einsteigen problemlos klappt. Ich habe auch die einzelnen Bedienelemente im Inneren daraufhin überprüft, wie ich mit ihnen zurechtkomme. Danach war klar: Dieses Modell soll es sein – mit den entsprechenden Extras, die ich brauche. Der Händler hat dann einen Kostenvoranschlag erstellt.

BA:

Wie ist das mit der Finanzierung genau geregelt? Wird das komplette Auto bezahlt?

Marion:

Der Zuschuss für die Anschaffung des Autos beträgt zurzeit maximal 9.500,- € und ist abhängig vom Verdienst. Eine Tabelle mit den genaueren Zahlen hierzu findet man z.B. unter: http://www.autoanpassung.de/finanzierung/fahrzeugkauf.html

Wenn man sich ein teureres Auto kauft, muss man die Mehrkosten selbst bezahlen.

Außerdem muss darauf geachtet werden, dass das Auto noch einen gewissen Wert hat, genauer gesagt, es muss noch mindestens 50 Prozent vom Neupreis wert sein. Das ist bei einem Neuwagen natürlich unproblematisch, bei einem Jahreswagen in der Regel auch. Wenn man jedoch einen etwas älteren Gebrauchtwagen kauft, sollte darauf geachtet werden, dass er nicht unter 50 Prozent des Neupreises gefallen ist. Die Begründung hierfür ist, dass sich ansonsten eine Umrüstung nicht mehr lohnen würde und die Kosten deshalb auch nicht mehr übernommen werden. Insgesamt muss das Auto in Größe und Preis angemessen sein, was beispielsweise bei einem normalen Mittelklassewagen der Fall ist.

BA:

Wie sieht die Finanzierung in Bezug auf die Umrüstung aus?

Marion:

Die eigentliche Umrüstung des Autos wird komplett vom Kostenträger bezahlt. Es handelt sich hier um einen sogenannten behinderungsbedingten Zusatzaufwand. Natürlich muss der Nachweis erbracht werden, dass die jeweilige Umrüstung sinn­voll beziehungsweise notwendig ist.

BA:

Den Kostenvoranschlag für das Fahrzeug hattest du nun also in der Tasche. Fehlte also noch der Kostenvoranschlag vom Umrüstbetrieb.

Marion:

Das war der nächste Schritt. Dann habe ich telefonisch Kontakt zu einigen Auto­um­rüstern aufgenommen, die Adressen hatte ich im Internet gefunden. Die Erfahrungen am Telefon waren recht unterschiedlich. Einer der Umrüster hat mich schon gleich beim Telefonieren ziemlich gut beraten und mir etliche nützliche Informationen gegeben. Andere waren da nicht so auskunftsfreudig. Letztlich habe ich den gewählt, der mir am Telefon am besten gefallen hat. Ich habe meinen Rollstuhl ausgemessen und fotografiert und ihm die Daten und Fotos geschickt. Beim Autohändler hatten wir uns getroffen und probiert, ob der Rollstuhl in den Kofferraum passt. Er hatte Infor­ma­tionen zu verschiedenen Liftsystemen mitgebracht. Es war dann ziemlich schnell klar, welchen Rollstuhlverladelift ich auswähle. Er wird in den Kofferraum eingebaut, mit ihm kann ich dann meinen Rollstuhl selbstständig verladen. Für die ausgewählte Verladehilfe wurde dann ein Kostenvoranschlag erstellt. Abschließend kann ich sagen, dass die Beratung beim Umrüster ziemlich wichtig ist.

BA:

Dann hattest du endlich die nötigen Unterlagen beisammen. Lief danach alles reibungslos?

Marion:

Na ja, da wartete noch eine kleine Überraschung auf mich. Ich habe alle Unterlagen an die Bundesagentur für Arbeit geschickt. Doch dann bekam ich plötzlich einen Brief von der Arbeitsagentur, in dem stand, dass sie als Kostenträger gar nicht für mich zuständig ist. Sie hätten meine Unterlagen aber an die Deutsche Rentenversiche­rung weitergeleitet.

Ich war mir vorher eigentlich ganz sicher gewesen, dass die Arbeitsagentur für mich zuständig ist, weil ich berufstätig bin. Wie sich nun aber herausstellte, stimmt das in meinem Fall nicht, weil ich eine Teilerwerbsminderungsrente bekomme. Deswegen ist die Rentenversicherung als Kostenträger zuständig.

Mein persönliches Fazit: Es sollte frühzeitig geklärt werden, welcher Kostenträger zuständig ist. Ein paar Anrufe bei den verschiedenen Stellen können da nicht schaden. Positiv war, dass die Arbeitsagentur meine Unterlagen weitergeleitet hat. Soviel ich weiß, läuft das aber immer so. Das heißt, wenn man aus Versehen den Antrag auf Kraftfahrzeughilfe bei einem Kostenträger einreicht, der gar nicht zustän­dig ist, muss dieser die Unterlagen an den zuständigen Kostenträger weiterleiten.

BA:

Dann hatte die Verwechslung der Kostenträger also keine negativen Folgen für dich?

Marion:

Nein, glücklicherweise nicht. Im März habe ich dann schon einen Bescheid der Deutschen Rentenversicherung bekommen, dass die Kraftfahrzeughilfe gewährt wird und zwar für die Rollstuhlverladehilfe und die automatisierte Kupplung. Nur der bean­tragte Einbau einer Standheizung wurde abgelehnt. Dagegen habe ich Wider­spruch eingelegt und ein entsprechendes Attest meiner Ärztin eingereicht. Dazu hat sich die Rentenversicherung bis heute nicht geäußert, obwohl das schon ein paar Monate her ist. Mal sehen, was da noch passiert.

BA:

Mit dem Bewilligungsbescheid in der Tasche konntest du dann dein Auto bestellen.

Marion:

Genau. Wichtig ist, dass das Fahrzeug erst dann beim Händler bestellt wird, wenn der Bescheid für die Kostenübernahme eingetroffen hat. Mit dem Autohändler habe ich dann noch eine sogenannte Abtretungserklärung vereinbart, damit ich das Geld für die Anschaffung des Autos nicht komplett vorstrecken muss. Das heißt, der Autohändler erhält das Geld direkt vom Kostenträger. Solange das Geld noch nicht ausbezahlt wurde, bleibt das Auto Eigentum des Händlers, d.h. er behält in der Zeit den Fahrzeugbrief. Diese Regelung war für mich vorteilhaft und unproblematisch in der Abwicklung.

BA:

Wann hast du dann das Auto bekommen?

Marion:

Das war Mitte Juni. Der Renault wurde vom Umrüster abgeholt und der hat dann innerhalb eines Tages die Rollstuhlverladehilfe eingebaut. Sie musste dann noch mal genauer eingestellt werden, aber jetzt funktioniert alles einwandfrei.

BA:

Du bist insgesamt mit dem Ablauf zufrieden?

Marion:

Insgesamt ist die Aktion gut gelaufen. Es gibt aber Dinge, die ich beim nächsten Mal anders machen würde:

Ich musste mich sehr schnell für ein Fahrzeug entscheiden, es fehlten aber Informa­tionen darüber, welches Auto für meine Anforderungen überhaupt geeignet ist. Wünschenswert wäre, wenn ich auf diese notwendigen Informationen zugreifen, sie an einer zentralen Stelle finden könnte und nicht mühsam zusammensuchen müsste. Dann würde ich mit der Fahrzeugauswahl etwas eher beginnen. Gut ist, wenn man schon vor der Antragstellung weiß, welches Fahrzeug in Frage kommt.

Gut ist außerdem, wenn man sich ein wenig mit den möglichen Hilfsmitteln auskennt. Ein guter Umrüster sollte eine Beratung bieten und sich dabei nicht auf ein bestimm­tes Produkt beschränken. Aber es ist besser, sich selbst ein wenig auszu­kennen. Bei der Auswahl des Umrüsters war mir sehr wichtig, dass er in der Nähe und für mich gut erreichbar ist. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass das ein wichtiges Kriterium ist, da noch Veränderungen am eingebauten Hilfsmittel durchgeführt werden mussten. Natürlich ist auch wichtig, dass der Umrüster Erfahrungen mit dem Einbau des Hilfsmittels hat.

Leider hat die Rentenversicherung noch nicht auf meinen Widerspruch reagiert. Falls die Kosten für die Standheizung doch noch übernommen werden, würde mein Umrüster die Standheizung einbauen.

Das Interview für „autoanpassung.de“ führte Bettina Albers.


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