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Aus dem Rollstuhl heraus Auto fahren

Es gibt verschiedene technische Möglichkeiten, ein Auto so umzubauen, dass man mit dem Rollstuhl hineinfahren und das Auto entweder aus dem Rollstuhl heraus oder vom Fahrersitz aus selbst steuern kann. Die folgenden Hinweise orientieren sich an einer Fahrzeugumrüstung, die fremde Hilfe so weit wie möglich überflüssig macht.

Tür öffnen

Das Hineinfahren erfolgt durch eine Seiten- oder eine Hecktür. Für den seitlichen Einstieg wird eine Schiebetür eingebaut. Die Hecktür kann aus einer Flügeltür oder einer Klappe bestehen. Die Türen werden vom Rollstuhl aus mittels einer Fernbedienung automatisch betätigt.

Tipps

  • Für welche Einstiegsvariante Sie sich entscheiden, hängt auch davon ab, welche Abstellmöglichkeiten Sie für Ihr Fahrzeug haben. So könnte beispielsweise eine Garage für einen Seiteneinstieg zu schmal sein.
  • Vorteil beim Heckeinstieg ist, dass man unterschiedliche Höhen von Bürgersteigen nicht berücksichtigen muss. Andererseits ist beim Hinein- und Hinausfahren der entsprechende Platz hinter dem Fahrzeug erforderlich.
Seiteneinstieg
Seiteneinstieg (Quelle: SW-Rehamobil)
 
Heckeinstieg
Heckeinstieg (Quelle: Jelschen) 

Ins Auto gelangen

Um mit dem Rollstuhl ins Auto fahren zu können, muss der Abstand zwischen Straße und Einstiegshöhe des Fahrzeugs überwunden werden. Dafür gibt es Rampen und Hubsysteme. Hierbei ist zu beachten, dass beide Hilfen grundsätzlich nicht auf der Fahrerseite montiert werden dürfen.

Ins Auto fahren über eine Rampe

Automatisch bedienbare Rampen werden im Fahrzeuginnenraum montiert oder auch in den Fahrzeugboden eingezogen, wodurch innen Platz gespart wird. Die Rampen können mittels Fernbedienung vom Rollstuhl aus betätigt werden. Der Höhenunterschied zwischen Straße und Fahrzeug sollte beim Einsatz einer Rampe nicht mehr als 30 cm betragen.

Rampe Heckeinstieg
Rampe Heckeinstieg (Quelle: Mobilcenter Zawatzky) 

Tipps

  • Rampen sollten möglichst rutschfest sein. Ein Streckgitter ist rutschfester als Alu-Lochgitterprofile, aber auch teurer.
  • Ein wichtiges Auswahlkriterium ist die Belastbarkeit der Rampe. Ein leerer Elektrorollstuhl kann 150 kg und mehr wiegen.
  • Beachten Sie, dass eine Rampe im ausgefahrenen Zustand viel Platz in Anspruch nimmt. Je nach Höhe des Fahrzeugbodens und des Bordsteins müssen Steigung und Länge der Rampe angepasst werden. Nicht immer hat man soviel Platz zur Verfügung.

Ins Auto fahren mit einem Hubsystem

Man fährt mit dem Rollstuhl auf die Plattform des Hubsystems, die dann auf das Niveau des Fahrzeugbodens angehoben wird. Das Hubsystem (Lift oder Hebebühne) kann im Fahrzeug oder unter dem Fahrzeugboden montiert werden. Dadurch wird im Innenraum Platz gespart. Das Hubsystem wird mittels Fernbedienung vom Rollstuhl aus betätigt.

Tipps

  • Beim Einbau bestimmter Hubsysteme, zum Beispiel eines Kassettenliftes, wird die Steifigkeit des Fahrzeugchassis beeinträchtigt und ein Teil der Tankkapazität geht verloren.
  • Beachten Sie, dass ein Hubsystem bei Nutzung ausreichenden Rangierplatz benötigt.
  • Wenn man ein Hubsystem wählt, das unter dem Fahrzeugboden montiert wird, verringert sich die Bodenfreiheit. Das Auto kann aufsetzen, wenn man über Bodenwellen oder in eine Tiefgarage fährt. Zudem ist es Witterungsverhältnissen ausgesetzt, was zu Störungen führen kann.
Hubsystem "Linearlift"
Hubsystem "Linearlift" (Quelle: Haag-Rehatechnik) 

Im Auto mit dem Rollstuhl zum Fahrerplatz gelangen

Zum Fahrerplatz fahren

Um mit dem Rollstuhl bis zum Lenkrad fahren zu können, muss genügend Platz vorhanden sein. Dazu müssen Sitze im Fahrzeug ausgebaut werden. Wie viele Sitze entfernt werden, hängt vom Platzangebot des Fahrzeugs selbst und von der Größe des Elektrorollstuhls ab. Auch die Höhe des Fahrzeuginnenraumes spielt eine Rolle. Möglicherweise muss der Fahrzeugboden teilweise ausgeschnitten und tiefergelegt werden, um ausreichend Kopffreiheit zu bekommen.

Tipps

  • Überlegen Sie vorher, wie viele Sitze erhalten bleiben sollen. Wenn mehrere Personen mitfahren sollen, benötigt man ein größeres Fahrzeug.
  • Bei einem tiefergelegten Fahrzeug muss auf die Höhe von Bodenschwellern geachtet werden, etwa bei Ein- und Ausfahrten von Parkhäusern.

Vom Rollstuhl auf den Fahrersitz übersetzen

Um vom Rollstuhl auf den Fahrersitz überwechseln zu können, muss im Fahrzeug die Möglichkeit des Umsetzens geschaffen werden. Dafür muss der Fahrersitz in die geeignete Position gebracht werden. Die automatischen Sitzeinstellungen werden mittels Fernbedienung vom Rollstuhl aus getätigt. Je nach Platzbedarf muss für das Übersetzen auch der Beifahrersitz entfernt werden.

Vorrichtung für Rollstuhlfixierung
Vorrichtung für Rollstuhlfixierung (Quelle: SW-Rehamobil) 

Den Rollstuhl als Fahrersitz nutzen

Ist das Wechseln auf den Fahrersitz nicht möglich, kann man den Elektrorollstuhl als Fahrersitz nutzen. Der Originalsitz wird dann ausgebaut. Man fährt mit dem Rollstuhl hinter das Lenkrad und sichert ihn mit einer dafür vorgesehenen Vorrichtung. Die Sicherung wird mittels Fernbedienung vom Rollstuhl aus getätigt.

Es besteht auch die Möglichkeit, den Rollstuhlsitz vom Rahmen zu trennen und auf dem Sitzuntergestell des Originalfahrersitzes zu befestigen. Der Fahrer bleibt während dieses Sitztransfers im Rollstuhl sitzen und steuert den Vorgang mittels Fernbedienung.

Tipps

  • Wenn der Rollstuhlsitz auf das Untergestell montiert wird, sollte man darauf achten, dass der Sitz sowohl für den Rollstuhl als auch für den Autositz geeignet ist. In beiden Fällen, auch bei längerem Sitzen, muss ausreichend Halt und Sitzkomfort gewährleistet sein.

Den Rollstuhl sichern

Beim Wechseln auf den Originalfahrersitz muss der Rollstuhl, bei der Benutzung des Rollstuhlsitzes das Untergestell gesichert werden. Es gibt verschiedene Sicherungsmechanismen durch Gurtfixierung, wie beispielsweise den Kraftknoten. Dabei werden Gurte in verstellbare Schienen (Quicklock-System) oder vergleichbare Bodenhalterungen eingerastet. Die Rollstuhlsicherung geschieht nicht automatisch und muss unter Umständen von einer anderen Person vorgenommen werden.

Sicheres Fahren

Wer mit dem Rollstuhl ins Auto fährt und es selbst steuern möchte, benötigt in der Regel unterstützende Hilfsmittel für die Betätigung der Fußpedalerie und eventuell auch für das Lenken und Betätigen von Blinker, Licht sowie Schalt- und Bremshebel. Weiterführende Informationen dazu finden Sie bei den Hinweisen für Arm- und Handeinschränkungen und Bein- und Fußeinschränkungen.


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