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Bein- und Fußeinschränkungen

Wenn Ein- und Aussteigen, Sitzen und Bedienen der Fußpedalerie beeinträchtigt sind, stehen verschiedene technische Hilfen zur Verfügung.

Ein- und Aussteigen

Einstiegshilfen

Beim Ein- und Aussteigen muss man die Einstiegshöhe, d.h. den Türschweller überwinden, man benötigt ausreichend Platz im Fußraum, und die Sitzeinstellungen in Länge und Höhe spielen eine wichtige Rolle.

Aufstehhilfe

Schwierigkeiten beim Ein- und Aussteigen können durch den Einbau einer Aufstehhilfe behoben werden. Die Aufstehhilfe wird zum Einsteigen von der Steh- in die Sitzposition, zum Aussteigen von der Sitz- in die Stehposition gefahren. Es handelt sich um ein elektrisch bedienbares, abklappbares Sitzbrett, das seitlich zwischen Fahrersitz und Tür montiert wird.

Elektrische Aufstehhilfe (eingeklappt, heruntergefahren, heraufgefahren)
Elektrische Aufstehhilfe (Quelle: Felitec) 

Sitzschienenverlängerung

Falls der Sitz sich nicht weit genug nach hinten verschieben lässt, um ausreichend Platz im Fußraum zu haben, z.B. bei einer Beinversteifung, kann eine längere Sitzschiene eingebaut werden.

Sitzschienenverlängerung
Sitzschienenverlängerung (Quelle: handicapcar) 

Sitzhöhenverstellung

Wenn der Verstellbereich für die Sitzhöhe nicht ausreicht, können Sie die Höhenverstellung umrüsten lassen. Falls das nicht genügt, kann man auch den ganzen Sitz austauschen.

Ein- und Aussteigen für Rollstuhlfahrer

Beim Einsteigen vom Rollstuhl aus muss der Abstand und der Höhenunterschied zwischen Rollstuhl und Fahrersitz überwunden werden. Eine geeignete Hilfe dafür ist das Rutschbrett.

Mobiles Rutschbrett

Ein mobiles Rutschbrett ist eine einfache Hilfe. Es wird auf den Sitzrand von Rollstuhl und Fahrersitz gelegt.

Mobiles Rutschbrett
Mobiles Rutschbrett (Quelle: Transatlantic Handelsgesellschaft)
 

Ausklappbares Rutschbrett

Als Alternative kann auch ein manuell oder motorisch ausklappbares Sitzbrett dienen, das seitlich am Autositz oder der Fahrzeugsäule (B-Säule) montiert wird.

Rutschbrett am Sitz
Rutschbrett am Sitz (Quelle: Haag-Rehatechnik) 

Tipps

  • Das Rutschbrett muss lang genug sein, damit es auf dem Rollstuhlsitz und Fahrersitz genügend Auflagefläche hat.
  • Eine hohe Wulst am Rand des Fahrersitzes kann stören, weil das Rutschbrett dann eventuell zu steil aufliegt.

Stabiles Sitzen

Bei Einschränkungen der Bein- und Fußfunktionen kommen häufig Einschränkungen des Oberkörpers und des Rumpfes hinzu. Dann können am Originalsitz Anpassungen vorgenommen oder ein ergonomischer Sitz eingebaut werden.

Originalsitz anpassen

Personen mit erhöhter Druck- und Schmerzempfindlichkeit im Oberkörperbereich benötigen häufig eine gute Sitzpolsterung. Zur Unterstützung der Sitzstabilität können am Originalsitz die Seitenkanten der Sitzfläche und der Rückenlehne etwas verstärkt werden.

Ergonomischen Sitz einbauen

Für Personen, die durch ihre Einschränkung im Oberkörperbereich einen verstärkten Seitenhalt und eine unterstützende Stabilisiserung ihrer Sitzposition benötigen, kann der Einbau eines ergonomischen Sitzes sinnvoll sein. Die Seitenkanten von Sitzfläche und Rückenlehne sind bei diesen Sitzen deutlich ausgeprägt.

Scheelmann-Sitz
Scheelmann-Sitz (Quelle: SW-Rehamobil)
 
König-Sitz
König-Sitz (Quelle: Haag-Rehatechnik) 

Tipps

  • Ergonomische Sitze sind durch ihre flache Polsterung härter als die Originalsitze. Menschen mit Rückenbeschwerden und Stoßempfindlichkeit müssen abwägen, ob sie mehr Polsterung oder eine höhere Sitzstabilität benötigen.
  • Nachträglich eingebaute Sitze sind mit ihren Abmessungen nicht auf das jeweilige Fahrzeug abgestimmt, weshalb sie häufig auf einen Adaptersatz montiert werden müssen. Es können deshalb Platzprobleme im Fahrzeug auftreten, die vorher mit dem Umrüstbetrieb besprochen werden sollten.
  • Für das Übersetzen vom Rollstuhl auf den Sitz kann eine hohe Wulst der Seitenkante stören. Man muss ausprobieren, ob man den Höhenunterschied zwischen Rollstuhl und Sitz auch gut überwinden kann.

Sicheres Fahren

Sie müssen Gas geben und Bremsen können. Dafür stehen technische Hilfen, wie Pedalverlegungen oder vollständiger Pedalersatz durch Handbediengeräte zur Verfügung. Welche Hilfe in Frage kommt, hängt vom Grad der Einschränkung ab.

Bei vielen Beineinschränkungen ist die Betätigung des Kupplungspedals nicht möglich, deshalb sollte ein Fahrzeug mit Automatikgetriebe ausgewählt werden.

Gas geben und Bremsen mit dem linken Bein

Können die Fußpedale nur mit dem linken Bein bedient werden, müssen sie verlegt werden.

Pedalverlegung

Wird der Fußraum für das rechte Bein benötigt, kann das Gaspedal vollständig nach links neben das Bremspedal verlegt werden.

Fußgas links, komplett verlegt
Fußgas links, komplett verlegt (Quelle: Stumpenhagen und Schlegermann)
 

Es gibt auch die Möglichkeit, ein zusätzliches Pedal links zu montieren, das durch ein Gestänge mit dem Originalpedal verbunden ist.

zusätzliches Pedal (Fußgas links)
Fußgas links (Quelle: Petri und Lehr) 

Tipps

  • Eine komplette Verlegung des Gaspedals nach links ist erforderlich, wenn der Platz im Fußraum benötigt wird, z.B. für rechtsseitige Prothesenträger und Menschen mit einer rechtsseitigen Beinversteifung. Je nach Fahrzeugtyp kann das Pedal im Bedarfsfall wieder an den alten Platz umgesteckt werden.
  • Beachten Sie, dass bei Pedalumbauten oder dem Einbau von Handbediengeräten das Auto ein automatisches Getriebe haben muss.

Gas geben und Bremsen mit der Hand

Handbediengeräte

Bei einer beidseitigen Einschränkung der Beinfunktion wird das Gas geben und Bremsen von den Händen übernommen. Die Handbediengeräte können je nach Bedarf an verschiedenen Stellen im Fahrerbereich eingebaut werden:

  • rechts zwischen Lenksäule und Mittelkonsole
Handbediengerät zwischen Lenksäule und Mittelkonsole
Handbediengerät zwischen Lenksäule und Mittelkonsole (Quelle: Stumpenhagen und Schlegermann)
 
  • seitlich am Lenkrad
Handbediengerät seitlich am Lenkrad
Handbediengerät seitlich am Lenkrad (Quelle: Felitec)
 
  • auf oder unterhalb des Lenkradkranzes
Handgasring
Handgasring (Quelle: Felitec) 
  • links in der Türinnenseite
Handbediengerät Türinnenseite
Handbediengerät Türinnenseite (Quelle: Haag-Rehatechnik) 
Hebelhandgas

Hier wird das Gaspedal nur mit einem Handhebel betätigt, der links oder rechts neben dem Lenkrad montiert wird. Der Handhebel ist über einen Bowdenzug mit dem Fußpedal verbunden und wird manuell bedient.

Hebelhandgas
Hebelhandgas (Quelle: Petri und Lehr) 
Fußpedalsperre

Um die unbeabsichtigte Betätigung der Pedale durch beeinträchtige Beinfunktionen (z.B. bei Spastik) zu verhindern, kann der Einbau einer Pedalsperre sinnvoll sein.

Pedalsperre
Pedalsperre (Quelle: Haag-Rehatechnik) 

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