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Autos von der Stange - Wer auf welche Details achten sollte

Die Mobilitätsbedürfnisse von behinderten Menschen erfahren zunehmend eine erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit. Menschen mit körperlichen Handicaps stellen an ihre Umwelt Ansprüche, die ihnen einen möglichst unverstellten Zugang zu den zahlreichen Angeboten bieten, der für nicht behinderte Personen selbstverständlich ist. Auch die STIFTUNG WARENTEST trägt dieser positiven Entwicklung Rechnung. In einem Test überprüften mobilitätseingeschränkte aber aktive AutofahrerInnen 13 PKW's - Kleinwagen, Limousinen und Kombifahrzeuge -, inwieweit sie in ihrer jeweiligen Ausstattung ab Werk den spezifischen Anforderungen von behinderten Menschen genügen. Zu der Testgruppe der behinderten Personen gehörten neben RollstuhlfahrerInnen und an Arm oder Bein behinderten Menschen auch SeniorInnen.

Getestet wurden die gesamte Einstiegssituation vom Türöffnen und Einsteigen ins Auto, die Sitzaufnahme inklusive seiner verschiedenen Einstellungen, sowie die vielen Bedienelemente im Auto. Bei den RollstuhlfahrerInnen wurde zusätzlich die Verlademöglichkeit ihres Rollstuhls geprüft. Die Unterteilung in RollstuhlfahrerInnen, Arm- und Beinbehinderte sowie SeniorInnen nach ihren jeweiligen Mobilitätseinschränkungen folgt einem allgemein üblichen Vorgehen.

Ich möchte im folgenden vor dem Hintergrund des veröffentlichten Testes die allgemeinen Problempunkte darstellen, die jeden behinderten Autofahrer betreffen. Am Ende der vorgestellten Problemzonen werden für die unterschiedlichen Behinderungsgruppen Fazits gezogen.

Wenn behinderte Menschen ein Auto aktiv benutzen, wird dies entscheidend von den beiden Komponenten persönliche Funktionseinschränkungen und der technischen Ausstattung des Autos bestimmt. Im folgenden soll dargestellt werden, wie die Ab-Werk-Ausstattung von Autos aus Sicht mobilitätseingeschränkter FahrerInnen beurteilt wird. Es liegt in der Natur der Sache, daß nicht umgerüstete Fahrzeuge den Anforderungen von Behinderten nicht genügen können. Aber in der Konfrontation mit diesen Autos kristallisieren sich die besonderen Problemzonen, die sich an und in den Fahrzeugen für ihre gehandicapten BenutzerInnen recht schnell ergeben, gut erkennbar heraus. Je nach Behinderungsart müssen diese Problemzonen natürlich anders gewichtet werden.

Wenn auch in einzelnen Fällen auf Breiten- und Höhenmaße hingewiesen wird, die die Benutzung des Fahrzeugs entscheidend beeinflussen, so werden dennoch keine konkreten Daten genannt. Vielmehr soll der bloße Hinweis auf den möglichen, ja meist notwendigen Vergleich mit den Maßangaben anderer Autos aufmerksam machen. Bestimmte Höhen und Breiten wie etwa der Türen sind schlichtweg nicht veränderbar, weshalb beim Anschaffen eines Autos darauf besonders geachtet werden muß.

Für Menschen mit Einschränkungen ihrer körperlichen Funktionen ist der Einstieg in ein Auto in den häufigsten Fällen keine reibungslose Selbstverständlichkeit. Die gesamte Einstiegssituation teilt sich in mehrere deutlich unterscheidbare Abschnitte. Diese beanspruchen verschiedene Körperteile auf unterschiedlichem Niveau. Zunächst bietet das Öffnen der Fahrertür, inklusive Bedienung des Türschlosses das erste Hindernis. Schließlich ist der tatsächliche Einstieg, der Transfer ins Auto die nächste Hürde. Die hierbei entscheidenden Daten sind die Sitzeinstellungen, zuerst seine Höhen- und Längsverstellbarkeit.

Hat man als Behinderter endlich Platz genommen, erweisen sich die weiteren Handhabungen, die vor dem endgültigen Start des Autos noch getätigt werden müssen, ebenfalls als einzelne Anforderungen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Nach der Sitzaufnahme stellen die vielen kleineren und größeren Bedienteile und Funktionselemente mit ihren unterschiedlichen Handhabungen die nächste Herausforderung dar. Für die RollstuhlfahrerInnen ist natürlich die Mitnahme ihres Gefährtes ein ausschließendes Kriterium.

Tür öffnen und schließen

Die Türbreite und ihr Öffnungswinkel beeinflussen den Einstieg nicht unerheblich für RollstuhlfahrerInnen. Zum Öffnen der Tür muß diese zuerst an ihrem Schloß oder Griff entriegelt werden. Das Entriegeln selber geschieht immer häufiger über Schlüssel mit Funkkontakt/Fernbedienung, dadurch wird ein großes Hindernis für handbehinderte Autofahrer beseitigt. Denn die Einführung des in der Regel klein gestalteten Schlüssels in das Schloß selbst bereitet diesen Personen, worunter besonders auch Tetraplegiker fallen, teils erhebliche Schwierigkeiten. Die genaue Schlüsselführung erfordert eine nicht unerhebliche Koordination der Finger. Das gleiche Problem tritt dann bei der Bedienung des Zündschlosses wieder auf. In vielen Fällen kann das Benutzen eines Adapters auf den Schlüsselgriff seine Handhabung erleichtern.

Auch die Betätigung des Türgriffes selber hängt von seiner spezifischen Ausführung ab. Längliche Handgriffe mit einzelnem Druckknopf oder schmale Griffplatten, die etwas nach oben angehoben werden müssen, sind bei den neuen Autos in aller Regel leichtgängig und entsprechend einfach zu betätigen. Schon bedeutend schwieriger sind die kleinen Hebel zu fassen, die seitlich an der Tür hinter einer dann auch noch selber kleinen Ausbuchtung des Blechs verborgen sind. Personen mit stärkerer Beeinträchtigung ihrer Fingermotorik müssen hier ziemliche Mühen aufbringen, um die Tür endlich öffnen zu können.
Einen wichtigen Faktor bildet die Breite der Tür. Auf den ersten Blick genügt vielleicht die Faustformel "je breiter die Tür, desto leichter der Einstieg".
Aber das Türöffnen ist ein komplexer Vorgang, der eben auch noch von anderen Faktoren abhängt. Dazu gehört beispielsweise der gesamte Öffnungswinkel der Tür. Je weniger die Tür sich aufschwenken läßt, desto schwieriger ist für die BenutzerIn der Einstieg. Beinamputierte Personen oder RollstuhlfahrerInnen benötigen immer mehr Spielraum beim Einstiegen ins Auto. Zum Transfer auf den Fahrersitz muß schließlich der Stuhl möglichst parallel an den Sitz herangefahren werden. Ein zu schmaler Öffnungswinkel kann diesen Transfer ganz erheblich einschränken.

Beeinflußt wird das gesamte Öffnungsszenario auch vom Schwingverhalten der Tür, das je nach Schwergängigkeit schon einigen Kraftaufwand benötigt. Hiermit hängt weiterhin die äußerste Arretierungsstufe der aufgeschlagenen Tür zusammen. Wenn ein solcher Arretierungspunkt nur unzureichend vorhanden ist, kann die gerade geöffnete Tür wieder zufallen und den Einstieg beeinträchtigen, manchmal verbunden mit Verletzungsgefahren. Der andere Extremfall ist ein kaum zu überwindender Arretierungspunkt. Denn dann ist eine bis zum Anschlag geöffnete Tür vom Sitz aus nur mit größter Kraftanstrengung zu schließen.

Ein letzter Faktor ist völlig unabhängig von der jeweiligen Konstruktion des Autos, das sind die externen Platzbedingungen. Was nützt eine breite Tür mit großem Öffnungswinkel, wenn nur 30 cm neben der Fahrertür ein anderes Fahrzeug steht?

RollstuhlfahrerInnen

Benutzer von Rollstühlen haben eher Probleme mit dem Türaufschwung bis zum Arretierungspunkt. Sie benötigen während des gesamten Öffnungsvorgangs auch sehr viel mehr Platz für das notwendige Rangieren des Rollstuhls.

Arm/Beinbehinderte

Gehbehinderte Autofahrer, besonders Prothesenträger haben beim Türaufschwung die gleichen Probleme wie die Rollstuhlfahrer. Leichtgängige Türen mindern diese deutlich.

Dagegen haben Autofahrer mit eingeschränkter Motorik von Hand und Finger Schwierigkeiten bei der Handhabung des Türgriffes und Türschlosses.

SeniorInnen

Ältere Autofahrer ohne spezifische Beeinträchtigungen der Körperfunktionen haben im allgemeinen keine auffälligen Probleme mit dem Türöffnen. Einzig nachlassende Kraft überhaupt kann sich beim Aufschwingen einer schwergängigen Tür störend auswirken.

Ein- und Aussteigen

Die entscheidenden Faktoren für den konkreten Einstieg in das Auto sind die Einstiegshöhe, Sitzhöhe und Sitz-Längsverstellung. Unterschiedliche Abmessungen und Karosseriegestaltungen machen sich hier besonders bemerkbar. Die Einstiegshöhe umfaßt die Höhe der Türschwelle über dem Boden und die Höhe der Sitzfläche. Beide Höhenangaben sind feste Größen. Die Sitzhöhe ergibt sich aus der tiefsten und hintersten Einstellung des Sitzes, zudem muß die Sitzfläche unbelastet sein. Die Türschwellenhöhe kann je nach Autotyp erheblich variieren.

Beim Ausmessen der Sitzhöhe sollte aber auf Folgendes geachtet werden. Nach ECE (Economic Commission for Europe) -Norm wird die Sitzhöhe von einem Mittelwert der Sitzfläche definiert. Das aber ist für Behinderte nur bedingt relevant. Die meisten Autositze haben eine seitlich eingearbeitete Pelotte. Die Höhe dieser Wulst differiert teilweise bis zu mehreren Zentimetern. Und sie liegt immer höher als die tatsächliche Sitzfläche. Das ist für die konkrete Sitzaufnahme bei bestimmten Behinderungen aber entscheidend. Insbesondere RollstuhlfahrerInnen, die direkt vom Stuhlsitz aus mit ihrem Körper auf den Autositz rutschen, müssen diese Pelotte als störenden Einstiegsfaktor berücksichtigen. Darüberhinaus sind die Pelotten manchmal aus derartig hartem Material gearbeitet, daß sie beim Rüberrutschen geradezu weh tun. Empfindsame Personen entfernen dann durchaus das Innenmaterial der Wulst.
Da die Sitzeinstellungen häufig vor dem Einstieg und dann nach der Sitzaufnahme wieder geändert werden müssen, beeinflußt die Bedienbarkeit der Verstellfunktionen natürlich die gesamte Einstiegssituation. Vor allem RollstuhlfahrerInnen und beinamputierte Personen sind häufiger als andere genötigt, die Sitzeinstellungen beim Einstieg zu verändern. Je leichter die entsprechenden Bedienteile erreichbar und handhabbar sind, desto besser können sie auch von den NutzerInnen in Anspruch genommen werden.

RollstuhlfahrerInnen

Für RollstuhlfahrerInnen sind die Höhendaten von Türschwelle und Sitz ein ganz wichtiges Kriterium. Dies gilt insbesondere für Tetraplegiker, die ein Rutschbrett für den Transfer ins Auto benötigen. Üblich ist, daß die Einstiegshöhe der Autos um wenige Zentimeter höher liegt als die Sitzhöhe des Rollstuhls. Beim Transfer ins Auto muß also auf dem Rutschbrett eine leichte Steigung überwunden werden. Allerdings gibt es auch Autos mit einer so großen Einstiegshöhe, daß die Höhendifferenz schlichtweg nicht mehr zu überwinden ist.

Arm/Beinbehinderte

Für am Bein behinderte Personen, besonders amputierte, bietet die Einstiegshöhe ebenfalls ein nicht zu unterschätzendes Hindernis. Je größer der Abstand vom Boden ist, desto schwieriger wird sich das Einsteigen mit einer Beinprothese gestalten.

SeniorInnen

Ältere Autofahrer ohne spezifische Beeinträchtigungen der Körperfunktionen haben im allgemeinen keine auffälligen Probleme mit dem Einstieg ins Auto. Das Nachlassen allgemeiner physischer Funktionen dürfte auch diese Gruppe dazu anhalten, die Einstiegshöhe als ein Beurteilungskriterium des Autos zu betrachten.

Sitzeinstellungen: Länge, Höhe, Neigung

Die Qualität des Sitzens im Fahrzeug hängt wesentlich von den Möglichkeiten individueller Sitzeinstellungen ab. Neben der optimalen individuellen Sitzanpassung dienen die Verstellmöglichkeiten behinderten Autofahrern zur Erleichterung beim Einsteigen und Verladen des Rollstuhls. Die Verstellbarkeit von Sitzpositionen ist für behinderte Autofahrer allgemein von sehr großer Bedeutung, weil sie recht häufig getätigt werden müssen. Die verschiedenen Einstellungen werden mittels Handräder und Hebel- oder Federkraftmechanismus vorgenommen. Neben der möglichst leichten Bedienbarkeit dieser Vorrichtungen ist für die Benutzer ihre bloße Erreichbarkeit von größter Wichtigkeit.

Die Sitze lassen sich in drei Variationen verstellen: zum einen ist dies die Längsverstellung nach vorn und hinten, zum anderen die Höhenverstellung der Sitzfläche und schließlich die Verstellung der Rückenlehne. Ein Sonderfall ist das Vorklappen des gesamten Sitzes, denn dies ist nur bei 3türigen Autos möglich. Andrerseits werden 3türige Fahrzeuge von nicht wenigen Behinderten bevorzugt, vor allem von RollstuhlfahrerInnen. Denn bei diesen Fahrzeugen sind die Türen breiter, was für die Verladung des Rollstuhls von ganz entscheidender Bedeutung ist.
Die Längsverstellung wird mit einem Hebel oder einer Stange vorgenommen, die sich unterhalb der vorderen Sitzkante befinden. Mit diesen Bedienhebeln wird ein Zugkraftmechanismus betätigt. Naturgemäß muß für die Versetzung des Sitzes nach hinten nur wenig Körperkraft aufgewendet werden. Anders verhält es sich bei der Sitzverstellung nach vorn. Nach Lösung des Hebels ist häufig sogar eine erhebliche Kraftanstrengung vonnöten, um den Sitz in die gewünschte Position bringen zu können. Dazu werden die Füße regelrecht in den Fahrzeugboden gestemmt, zudem wird irgend ein vorderer Haltepunkt ergriffen, woran sich dann die Person mit Sitz nach vorne zieht. Diese unterstützende Hilfe bieten meist das Lenkrad oder der seitliche Türgriff. Für behinderte Personen mit insgesamt geschwächter Körperkonstitution ist diese Sitzverstellung meist nur unter allergrößten Anstrengungen möglich. Kommen weitere Funktionseinschränkungen wie mangelnde Armkraft oder gar Armamputationen hinzu, ist die Sitzlängsverstellung ohne fremde Hilfe ein hoffnungsloses Unterfangen.

Die Höhenverstellung des Sitzes geschieht über einen Federdruckmechanismus oder einem Handrad. Beide Bedienteile sind seitlich zwischen Sitzfläche und Türseite angebracht. Allerdings sind bei weitem nicht alle Fahrzeuge der unteren Klasse damit ausgestattet. Für diese Sitzeinstellung muß häufig der eigene Körper des Benutzers mit eingesetzt werden. Je nach Bedarf wird dann der Körper etwas angehoben oder entsprechend gegen die Sitzfläche gedrückt. Auch hierzu ist eine gewisse stabile Körperkonstitution erforderlich.

Das Verstellen der Rückenlehne erfolgt über seitlich an der Lehne angebrachte Handräder oder Zughebel, die stufenweise die Arretierung lösen bzw. die Lehne nach vorn ziehen. Wie schon bei der Sitzhöhenverstellung muß auch hier der eigene Körper, der Rücken, in den Einstellvorgang unterstützend mit einbezogen werden. Da dieser Vorgang ebenfalls in der eingenommenen Sitzposition vorgenommen wird, spielt die Anordnung des Bedienteils eine große Rolle. Ungünstig ist für behinderte Autofahrer das in den meisten Fällen nur einseitig angebrachte Bedienelement.

Das Vorklappen des gesamten Sitzes ist meist für den Beifahrersitz im Zusammenhang mit der Verladung des Rollstuhls von großer Bedeutung. Der hierfür notwendige Zughebel ist immer an der Seitenfläche von der Rückenlehne angebracht. Da nun auch diese Sitzverstellung von einigen Benutzern im Sitzen von der Fahrerseite aus vorgenommen wird, erleichtert die Anordnung des Bedienhebels an der linken Innenseite des Beifahrersitzes die Handhabung ungemein. Am meisten wäre den BenutzerInnen damit gedient, wenn auf beiden Seiten ein entsprechender Hebel vorhanden ist.

Sowohl die Höhenverstellung als auch die Einstellung der Lehne kann teilweise sehr unangenehm durch mangelnden Platz für die Handhabung beeinträchtigt werden. Allzu häufig sind zwischen Bedienungshebel oder Handrad und der Innenverkleidung der Tür bzw. der Mittelstrebe kaum noch Zentimeter für die Hand eingeplant. Auch nur etwas kräftigere Hände und Unterarme führen dann unweigerlich zu Hautabschürfungen.

RollstuhlfahrerInnen

Von ihnen werden die Sitzeinstellungen sehr häufig in Anspruch genommen. Entsprechend aufmerksam sollten sie bei der Bewertung dieser Funktionen sein. Natürlich hängt auch hierbei vieles von der spezifischen Funktionseinschränkung der Person ab. Doch unabhängig davon ist die Anordnung der jeweiligen Bedienelemente. Die Verstellhebel für das Vorklappen des ganzen Sitzes sollten möglichst auf beiden Seiten der Lehne vorhanden sein. Die Einstellungen der Rückenlehne und der Sitzhöhe, aber auch der Längsverstellung müssen so leichtgängig sein, daß sie mit möglichst geringem Aufwand von Körperkraft vorgenommen werden können. Natürlich gibt es auch hier schon elektrische Ausstattungen. Doch wie in allen Fällen ist dies eine Frage des Geldes. Solange diese Einschränkung besonders für die behinderten Personengruppen gilt, müssen die manuellen und mechanischen Funktionen so optimal wie möglich funktionieren.

Eine schwergängige Längsverstellung ist für Tetraplegiker so gut wie gar nicht zu betätigen; aber auch Paraplegiker und anders gehandicapte Menschen sind in diesem Fall meist außerstande, die hierfür notwendige Körperkraft aufzubringen.

Arm/Beinbehinderte

Für gehbehinderte Personen ist in ganz besonderem Maße die Längsverstellung des Sitzes eine gleich große Hürde. Wenn sie Prothesenträger sind, können sie diese Verstellung nur mithilfe eines anderen Haltegriffes vornehmen.
Für armbehinderte Menschen ist die vielleicht wichtigste Frage die nach der Anordnung der vielen Bedienteile. Ist der jeweilige Hebel oder das Handrad für mich überhaupt erreichbar? Ob es dann auch noch mit der individuellen Einschränkung zu betätigen ist, ist damit noch gar nicht beantwortet.

SeniorInnen

Für die älteren Autobenutzer gelten auch in diesem Bereich im Grunde fast alle Gesichtspunkte der beiden anderen Gruppen. Je nach vorhandener bzw. nachlassender Kraft der Körperkonstitution insgesamt sollten die aufgezählten Problemfelder bezüglich Sitzeinstellungen unbedingt beachtet werden.

Verladen des Rollstuhls

Die Mitnahme des eigenen Rollstuhls im Fahrzeug muß für RollstuhlfahrerInnen natürlich immer gewährleistet sein, denn schließlich möchten Sie auch nach Fahrtende weiterhin mobil bleiben. Grundsätzlich ist jeder Rollstuhltyp in jedes Auto zu verstauen. Notfalls müssen vom Gefährt die Räder abmontiert und es selbst zusammen gefaltet oder geklappt werden. Auf diese Weise paßt ein Rollstuhl in jeden Kofferraum, auf die Rückbank, hinter die Vordersitze oder auf den Beifahrersitz. Wie der Rollstuhl tatsächlich verladen wird, hängt jedoch von zwei Faktoren ab. Das ist zum einen der verfügbare Stauraum im Fahrzeug und zum anderen der Grad der Behinderung der betroffenen Person.

RollstuhlfahrerInnen, die aufstehen und sich ohne Rollstuhl am Auto bewegen können, verstauen ihn meist im Kofferraum. Zu einem ausschließenden Kriterium bei der Auswahl des richtigen Wagens wird die Mitnahmemöglichkeit des Rollstuhls endgültig für Personen, die direkt vom Stuhl ins Auto einsteigen müssen. Davon betroffen sind Tetraplegiker und andere behinderte Menschen mit erheblichen Mobilitätseinschränkungen.

Für diese Menschen schränkt sich die Mitnahmemöglichkeit des Rollstuhls erheblich ein. Sie steigen direkt aus ihrem Stuhl auf den Fahrersitz oder Beifahrersitz über, das Gefährt bleibt in der geöffneten Tür zurück. Nun kann der Rollstuhl nur noch auf oder hinter den Beifahrersitz oder auf den Rücksitz verstaut werden. Dies gilt natürlich nicht für die Ausnahme einer Ladehilfe. Denn in diesem Fall wird der zusammen geklappte Stuhl in den Rückraum des Autos oder auf das Dach verladen. Doch lassen wir in unserem Fall bereits umgerüstete Fahrzeuge außer Acht. Hier interessieren einzig Autos mit Ab-Werk-Ausstattung.

Ein ganz entscheidender Faktor bei der Verladung des Rollstuhls ist selbstverständlich die technische Routine der behinderten Person. Je nach Intensität und Umfang der Mobilitätsmöglichkeiten hat sich bei jedem Autofahrer eine individuelle Art des Rollstuhlverladens herausgebildet. Es stellt eine recht anspruchsvolle und komplexe technische Herausforderung für die Betroffenen dar.

Zum Verladen müssen von Rollstühlen mit starrem Rahmen zunächst die beiden Laufräder, Fußstützen und andere kleinere Teile demontiert werden. Erst nachdem diese im Autoinnenraum von der behinderten Person verstaut worden sind, kann der Stuhl selber verladen werden. Hierzu muß die Person den zusammen geklappten Stuhl über ihre Oberschenkel, also zwischen sich und dem Lenkrad sowie Armaturenteil auf den Beifahrersitz herüberheben. Neben der Arm- und Oberkörperkraft, die entsprechend vorhanden sein muß, bedarf es hierzu in aller Regel noch einiger Sitzverstellungen. Um möglichst viel Platz zwischen sich und dem Lenkrad zu erhalten, wird der Sitz so weit wie möglich nach hinten geschoben. Zu diesem Zweck wird häufig die Rückenlehne ebenso in eine größere hintere Schräglage gebracht. Vor welche Schwierigkeiten Menschen mit teilweise erheblichen Funktionsbeschränkungen hierbei gestellt sind, ist weiter oben unter dem Thema Sitzeinstellungen ausführlich berichtet worden.

Anders werden die Rollstühle mit faltbarem Rahmengestell ins Auto verladen. Häufig steigen die BenutzerInnen über den Beifahrersitz ins Auto. Dann falten sie den Rollstuhl zusammen, rutschen selber rüber auf den Fahrersitz und ziehen den Rollstuhl hinter den nach vorn geschobenen und geklappten Beifahrersitz. Der Vorteil beim faltbaren Gestell ist natürlich, daß bis auf die Fußstützen keine weiteren Teile demontiert werden müssen. Andererseits kommt man auch hier nicht um einige Sitzverstellungen herum. Und da sie vom Fahrersitz aus vorgenommen werden müssen, erfordern sie einigen Kraft- und Bewegungsaufwand. Auch für das Hineinziehen des gefalteten Rollstuhls zwischen Mittelstrebe und Beifahrersitz muß man sich weit zur Beifahrerseite beugen können.

Neben diesen Hindernissen, die durch die individuellen körperlichen Funktionseinschränkungen bedingt sind, taucht noch ein weiteres großes Problem auf: das altbekannte Platzproblem. Auch ein zusammen gefalteter Rollstuhl inklusive seiner Laufräder beansprucht einige Zentimeter in der Breite.1 Die BenutzerInnen, die diese Verladeversion bevorzugen, sollten unbedingt bei der Autoauswahl auf die entsprechenden Raummaße Acht geben. Gehandicapte AutofahrerInnen, die bei den Autos immer das Platzangebot berücksichtigen müssen, greifen aus diesem Grund meist auf 3türige Fahrzeuge zurück. Denn diese haben im Vergleich zu fünftürigen Autos breitere Türen. Wenn die Sitze ganz nach vorn geschoben werden, ist der Raum zwischen Mittelstrebe und Sitzende in der Regel größer als bei Fünftürern.

Das heißt jedoch nicht, daß die Rollstühle deshalb ohne weiteres hineingezogen werden können. Es kommt hierbei in der Tat auf Millimeter an. Montiert man nun die beiden Laufräder ab, um an Platz zu gewinnen, nimmt man zugleich neue Nachteile in Kauf. Denn der Rollstuhl läßt sich über die Laufräder natürlich viel leichter in den Innenraum ziehen. Bei demontierten Rädern wird zudem der Türschweller erheblich zerkratzt. Doch trotz dieser Widrigkeiten greifen nicht wenige RollstuhlfahrerInnen auf diese Verladevariante zurück.

Fazit: RollstuhlfahrerInnen, die direkt aus der sitzenden Haltung ins Auto steigen und den Rollstuhl von Hand in den Personeninnenraum des Fahrzeugs verladen, müssen vor allem auf ausreichenden Platz achten. Egal, ob Starrahmen oder faltbar, die Raumansprüche für den Einladevorgang und fürs Verstauen sind erheblich. Für beide Rollstuhltypen gilt, daß dreitürige Fahrzeuge in der Regel durch ihre breiteren Türen mehr Raum fürs Einladen bieten. Da beim Verstauen immer ein Sitz, meist der Beifahrersitz, mehrmals verstellt werden muß, sollten die Einstellungen der Sitze entsprechend möglichst leichtgängig vorgenommen werden können. Es liegt gleichsam auf der Hand, daß die Mitnahmemöglichkeit des eigenen Rollstuhl ein ausschließendes Kriterium bei der Auswahl eines Autos sein sollte. Wenn das Hilfsinstrument nicht ins Auto verladen werden kann, taugt dies halt nicht für die eigenen Bedürfnisse.

Bedienteile

Körperbehinderte Personen stellen auf Grund ihrer eingeschränkten allgemeinen körperlichen Konstitution besondere Anforderungen an Erreichbarkeit und Handhabbarkeit von Bedienteilen im Auto. Wie bei den oben dargestellten Problemaspekten gilt auch hier die Voraussetzung, daß nur Autos mit Ab-Werk-Ausstattung in Betracht kommen. Denn nur in diesem Fall können verallgemeinerbare Aussagen über problematische Bedienteile für behinderte AutofahrerInnen gemacht werden. Schon umgerüstete Teile sind immer auf die Bedürfnisse einer spezifischen Behinderung bezogen. Ebenso werden im Folgenden die Fußbedienteile Gas, Bremse, Kupplung nicht berücksichtigt. Bis auf die SeniorInnen dürfte die weitaus größere Mehrheit von RollstuhlfahrerInnen und Arm- und Beinbehinderten Fahrzeuge mit Automatikschaltung und umgerüstetem Handgestänge fahren.

Die vielen Bedienteile im Auto lassen sich verschiedenen Funktionsgruppen zuordnen. Schalter, Hebel, Knöpfe und Rädchen im Armaturenbereich regulieren zusätzliche Teilfunktionen im und am Auto. Sie vervollständigen seine Fahrtüchtigkeit und -sicherheit und den Komfort für die Insassen. Der Sicherheitsgurt soll unmittelbar die persönliche Sicherheit des Fahrers erhöhen. Feststellbremse, Automatikhebel und Zündschloß gehören wiederum zur direkten Fahrtüchtigkeit des Autos selber.

Aber an alle Bedien- und Funktionsteile werden sehr ähnliche Ansprüche von den BenutzerInnen gestellt. Sie müssen leicht zu erreichen und zu betätigen und ihre spezielle Funktion natürlich möglichst unmittelbar erkennbar sein. Diese Ansprüche beziehen sich also auf die Benutzeroberfläche und ihre spezifische Kennzeichnung.
So wenig wie es den "ideellen Gesamtbehinderten" gibt, so wenig gibt es das ideale Bedienteil für alle behinderten AutofahrerInnen. Während für den einen ein kleiner, leichtgängiger Druckknopf zur Einstellung der Heizungsfunktion genau richtig ist, kann derselbe Knopf für andere Personen mit Handbehinderung sogar nur schwer zu bedienen sein. Ob ein Bedienelement ein Drehknopf oder ein Stufenschalter ist, sagt erst einmal wenig über seine Nutzbarkeit für behinderte AutofahrerInnen aus.
Besonders Personen mit Behinderungen an Arm oder Hand, dazu gehören also auch Tetraplegiker, müssen sensible Ansprüche an alle Elemente im Armaturenbereich stellen. Zum einen sollten sie leicht bedienbar sein, demnach keine aufwendigen Kraftanstrengungen der Finger benötigen.

Ferner müssen die Bedienteile deutlich von einander getrennt sein, so daß genügend Raum für die individuelle Betätigung vorhanden ist. Zum anderen sollten die Teile gut erreichbar und einsehbar sein. Wenn etwa der Bedienknopf für die Warnblinkanlage oberhalb des Lenkrads auf der Säule angebracht ist, ohne daß er aus der normalen Sitzposition gleich zu erkennen ist, dann dürfte die BenutzerIn erst einmal nach ihm suchen und noch Mühe haben, überhaupt an ihn zu gelangen.

Eine weitere Hürde sind Multifunktionsteile. Es gibt durchaus Autos in Ab-Werk-Ausstattungen, in deren Blinkergriff zugleich die verschiedenen Scheibenwischerfunktionen eingebaut sind. Das bedeutet, daß auf dem engen Raum von etwa 8 Zentimetern gleich mehrere kleine Drehräder angebracht sind. Entsprechend klein ist natürlich dann deren Oberfläche für die Bediensymbole. Die Anordnung auf engstem Raum stellt an Menschen mit eingeschränkter Hand- und Fingermotorik die allerhöchsten Ansprüche. Sie werden ihnen kaum genügen können. Schließlich müssen die Bedienteile ja meist während der Fahrt genutzt werden, und ihre Betätigung sollte bloße Routine sein.

Doch stehen dem routinierten Umgang zunehmend zu kleine Beschriftungen bzw. Symbole der Funktionen entgegen. Da in Folge der elektronischen Entwicklung der Armaturenbereich im Auto immer mehr dem "Cockpit im Flugzeug" ähnelt, kommt es einerseits zu den schon genannten Mehrfachbelegungen von Tasten und andererseits zu völlig neuen Funktionen. Ob Navigationssystem oder Klimaanlage, Radio/CD/Tape oder Lüftung, das Bedienbord wird immer komplexer und komplizierter. Das entscheidende Mittel, das seine Bedienung deutlich vereinfachen kann, ist die klare und eindeutige Symbolik. Mit diesem Problem sind natürlich nicht nur behinderte AutofahrerInnen konfrontiert. Aber in Folge der komplexen Bedienungskapazitäten erschweren fragwürdige Bedienelemente die gesamte Handhabung unnötig. Sie verlangen einfach viel zu viel Aufmerksamkeit, die an anderer Stelle nötiger gebraucht würde.

Um das Auto unmittelbar in Gang setzen zu können, müssen Zündschloß und der Automatikhebel getätigt werden. Das Zündschloß ist hinter dem Lenkrad an der rechten Seite der Säule angebracht. Dadurch ist es in vielen Fällen nicht im unmittelbaren Sichtfeld des Fahrers. Behinderte Menschen mit stark eingeschränkter Oberkörperkonstitution müssen sich also zunächst unter großen Mühen weit genug nach vorn beugen, um das Schloß für die Einführung des Schlüssels sehen zu können. Haben die Behinderten dann noch eine mangelnde Fingermotorik, wie etwa Tetraplegiker, benötigen sie einige Zeit, um das Auto endlich starten zu können. Denn ein weiteres Hindernis ist die seitliche Armaturenverkleidung, die den Platz für die führende Hand teilweise erheblich einengt. Um trotz dieser erschwerenden Umstände das Auto in Gang setzen zu können, sollten behinderte Autobenutzer unbedingt eine Schlüsseladaption zur leichteren Einführung ins Schloß verwenden.

Automatikhebel lassen sich in einer Kulissen- oder Linearschaltung führen. Für die stufige Kulissenschaltung muß in aller Regel mehr Kraft aufgewendet werden als für die lineare Schaltung. Beachtenswerter für behinderte AutofahrerInnen ist die Frage, wie leicht oder schwer sich der Automatikhebel überhaupt lösen läßt. Entweder muß hierzu ein Druckknopf unterhalb des Hebels mit den Fingern etwas angezogen oder ein Knopf nach unten gedrückt werden. Besonders das Heranziehen des kleinen Knopfes bereitet Tetraplegikern mit stark eingeschränkter Fingermotorik sehr viel Schwierigkeiten und bedarf einiger Übung. Dies Problem deckt sich vollständig mit der Lösung bzw. dem Feststellen des Handbremshebels.

Fensterheber sind entweder mechanisch über Handkurbel oder elektrisch über Druckknöpfe zu betätigen. Aber nicht in jedem Fall ist die elektrische Variante bedienungsfreundlicher. Allzu häufig sind die entsprechenden Knöpfe einfach zu klein und auch zu weit außerhalb der normalen Reichweite. Soweit es sich um den Fensterheber auf der Fahrerseite handelt, ist der Unterschied zwischen manueller und elektrischer Handhabung kein ausschließendes Auswahlkriterium. Sobald jedoch die Bedienung des Fensters auf der Beifahrerseite ins Spiel kommt, ist die Frage sehr leicht zu beantworten. Hier sind die elektrischen Fensterheber von ganz erheblichem Vorteil. Auch nicht behinderte Personen müssen sich sehr weit nach rechts beugen, um die Handkurbel drehen zu können. Das ist dann für Personen mit stark geschwächter Körperkonstitution eigentlich nicht mehr zu leisten.

Die Bedienung der Außenspiegel ist mit den gleichen Schwierigkeiten verbunden.

Nun gilt die Alternative manuelle oder elektrische Bedienung für sehr viel Funktionen, und wohl die Mehrheit der AutofahrerInnen dürfte sich für die letztere entscheiden. Aber neben der Finanzierungsfrage steht natürlich die größere Anfälligkeit der elektrischen Teile diesem Wunsch gegenüber. Bei Kurzschlüssen sind gleich mehrere Funktionen nicht mehr einsetzbar. Eine, nicht repräsentative, Umfrage bei Fahrzeugumrüstern hat ergeben, daß nach einer gewissen Zeit immer mehr BenutzerInnen die elektrischen Teile, wo es denn geht, durch manuelle auswechseln lassen möchten.

Durchaus nicht zu unterschätzen ist die Handhabung des Sicherheitsgurtes. Zwar ist er in der Höheneinstellung variierbar, aber nicht in seiner Anordnung am oberen Ende der Mittelstrebe, etwas unterhalb des Autohimmels. Personen, deren Oberkörperkonstitution eingeschränkt sind, sich dementsprechend nicht leicht seitlich nach hinten drehen können, bekommen hier Probleme. Wenn dann noch eine Behinderung am Arm und an der Handmotorik hinzukommt, werden die Probleme spürbar und der Gurt ist nur unter Schmerzen zu fassen. Eine weitere Hürde bietet die Einführung der Gurtlasche in das Halteschloß. Für Tetraplegiker und Personen mit Hand- und Fingerbehinderung kann die Einführung sich unter Umständen zu einer nervigen Fummelei gestalten. In vielen Fällen ist der Haltebügel des Schlosses so biegsam, daß man mit der Lasche daran abrutscht. Wenn man die Lasche auf Grund der Behinderung nicht fest genug greifen kann, entgleitet sie samt Gurt und die Prozedur muß wiederholt werden. Eine befriedigende Lösung scheint für die manuelle Handhabung nicht in Sicht. Die Anschaffung eines selbstanlegenden Gurtes, dessen Mechanik nach dem Schließen der Tür automatisch in Gang gesetzt wird, dürfte eine überlegenswerte Alternative sein.

RollstuhlfahrerInnenRollstuhlfahrerInnen

So gut wie alle Bedienelemente sind für sie vor allem unter dem Gesichtspunkt ihrer Erreichbarkeit problematisch. Besonders hierbei treten häufig geschwächte Oberkörperkonstitutionen auf. Um jedoch an etwas weiter entfernt angebrachte Bedienteile zu gelangen, muß man sich mit dem Oberkörper weit nach vorn beugen, was den Betroffenen naturgemäß sehr schwer fällt. Die Bedienung etwa von Fensterheber und Außenspiegelverstellung auf der Beifahrerseite ist ihnen praktisch nicht möglich. Ferner sind Bedienelemente äußerst umständlich zu betätigen, wenn sie durch das Lenkrad oder Lenksäule verdeckt sind.

Arm/Beinbehinderte

AutobenutzerInnen mit eingeschränkter Funktionsfähigkeit an Arm, Hand und Fingern haben je nach Behinderungsgrad immer ihre Probleme mit den Bedienteilen im Armaturenbereich. Entweder sind diese Teile einfach zu klein gestaltet oder sie sind nicht griffig genug geformt. Bei der Autoauswahl sollten Arm- und Beinbehinderte unbedingt darauf achten, daß sie mit ihrer spezifischen Behinderung nur ganz bestimmte Oberflächengestaltungen von Griffen und Knöpfen handhaben können. Wahrscheinlich werden sie im einen oder anderen Fall auf elektrische Umrüstungen zurück greifen müssen. Das gilt etwa für Fensterheber und Außenspiegelverstellung.

SeniorInnen

Ältere AutofahrerInnen leiden häufig an Multimorbidität. Dazu zählt oftmals eine verringerte Sehstärke. Daraus folgt, daß sie ihr besonderes Augenmerk auf die gut lesbare symbolische Beschriftung der kleinen Bedienelemente richten sollte. Sehr häufig ist von der Multimorbidität auch die differenzierte Fingerfertigkeit betroffen. Dann sind Mehrfachbelegungen von Funktionsteilen ein ärgerliches Hindernis für eine einfache Handhabung. Besonders bei älteren FahrerInnen sind viele Griffe im Auto zur Routine geworden. Es haben sich Gewohnheiten und Erwartungshaltungen entwickelt. Durch die rapiden technologischen Erneuerungen in nahezu allen Lebensbereichen sind auch im "Auto-Cockpit" Veränderungen eingetreten, die sich automatisierten Handgriffen verweigern. Gewisse Änderungen sind nicht rückgängig zu machen, gerade deshalb sollten die älteren und routinierten BenutzerInnen besonders aufmerksam bei einer Autoauswahl auf diese Dinge Acht geben.

Zusätzliche Ausstattungsteile

So gut wie jedes Auto ist inzwischen in verschiedenen Ausstattungsvarianten erhältlich. Nach der Standard-Ausstattung gibt es meist mehrere luxuriösere Modellvarianten des bestimmten Autos. Diese Varianten enthalten dann Ausstattungsmerkmale, die für behinderte Autofahrer durchaus von hohem Nutzen sein können. Behinderte Autofahrer sollten deshalb bedenken, welche zusätzlichen Lieferungsmöglichkeiten sie beim Autokauf gerne in Anspruch nehmen möchten. Dazu gehören die Klimaanlage, die Hitzestau und sogar Kreislaufkollaps bei sehr warmen Temperaturen vermeiden sollen. Der Pollenfilter ist für Allergiker ein sinnvoller Schutz vor Blütenpollen und feinen Staub. Besonders für den Winter sind beheizbare Außenspiegel zu empfehlen, zumal für gehandicapte Autofahrer, denen es kaum möglich ist, bei Eis und Schnee um das Auto herumzufahren, um die gefrorenen Spiegel frei zu kratzen. Nicht zuletzt gehört eine funkgesteuerte Zentralverriegelung zu den zusätzlichen Ausstattungsmerkmalen.

Umrüstungsangebote

Behinderte Autofahrer werden in aller Regel nur das Auto fahren können, das mit seiner technischen Ausstattung die persönliche Funktionseinschränkung kompensiert. Normal ausgestattete Autos sind auf solche Kompensationsanforderungen jedoch nicht ausgerichtet. Dafür bedarf es einer spezifischen Änderung der Grundausstattung, also einer Umrüstung. Erfahrene behinderte Autofahrer wissen bei der Neuanschaffung eines Fahrzeugs nicht nur was geändert werden muß, sondern auch, wer die notwendigen Neueinbauten vornehmen kann.

Einfache Änderungen, wie etwa der Einbau von Umlenkhebeln am Wischer oder Blinker, können schon von normalen Auto-Reparaturwerkstätten vorgenommen werden. Die entsprechenden Umrüstteile müssen dazu nur bei den Umrüstfirmen angefordert werden. Es gibt in Deutschland schon zwei Autohersteller, die für besondere Wünsche ihrer Kunden eine Umrüstung ab Werk anbieten. Sie nehmen den Auftrag des behinderten Autofahrers entgegen, doch die folgenden Einbauten werden wiederum an Fremdfirmen vergeben.

So gut wie alle Anbieter von Neufahrzeugen in Deutschland haben eine besondere Abteilung für Behinderten- oder Sonderfahrzeuge. Hier bekommen die Kunden meist auch verbindliche Auskunft über Umrüstfirmen, die Änderungseinbauten an den Autos dieses Herstellers vornehmen.
Über sämtliche deutschen Bundesländer verstreut gibt es ca. 50 Firmen, die sich auf die Umrüstung von Behindertenfahrzeugen spezialisiert haben.2 Diese Firmen stellen teilweise die Einbauteile selber her, sie nehmen die Ein- und Umbauten vor oder verschicken die entsprechenden Bauteile an andere Autowerkstätten, von denen die Umbauten getätigt werden.

Der Angebotsumfang dieser Firmen reicht von den verschiedenen Handsteuergeräten für Bremse, Gas und Kupplung, über die Fußlenkung, den genannten Umlenkhebeln, selbstanlegenden Sicherheitsgurten bis hin zu größeren Veränderungen am Auto. Dies sind Umsetz-Lifter für Personen, Verladehilfen für die Rollstühle, Schiebetüren und Schwenksitze. Ferner können die Umrüster bloße mechanische, manuell bedienbare Funktionselemente gegen entsprechende elektrische Bedienteile austauschen.

Fragen der Finanzierung

Die Frage nach einer möglichen Übernahme von Kosten sollte jede behinderte AutofahrerIn klären, bevor sie irgendwelche Schritte unternimmt. Um den gesetzlichen Status der Behinderung zu erlangen, muß man ja zunächst ein Gutachten erstellen lassen. Je nach Bedarf muß sodann ein Führerschein erworben werden. Und schließlich will das Auto umgerüstet oder erst gekauft werden. All dies sollte erst nach der Klärung der Kostenübernahme unternommen werden.

Die im Folgenden genannten Bedingungen der Finanzierungshilfen können im Rahmen dieses Artikels selbstverständlich nur eine grobe und erste Orientierungshilfe geben.

Welche Gesetze regeln das Ganze?

Für den gesamten Komplex gilt die Erste Verordnung zur Änderung der Kraftfahrzeughilfe-Verordnung (Kfz-HV) vom 30.9.1991. Welcher Kostenträger für die Finanzierung zuständig ist, wird vom Sozialgesetzbuch (SGB) I vom 11.12.1975 (BGBL. I, S. 3015) geregelt.

Was wird finanziert?

Wer von welchem Kostenträger finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen kann, ist immer nur nach Überprüfung des einzelnen Falls zu beantworten. Deshalb kann erst einmal leichter gesagt werden, was im konkreten Fall finanziert wird. Das ist bestimmt nicht auf den ersten Blick durchschaubar, denn das System der sozialen Sicherung enthält eine Reihe von Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung. Nach den Bestimmungen der gesetzlichen Unfallversicherung und des Bundesversorgungsgesetzes wird teilweise oder ganz finanziert: der Führerscheinerwerb, die Erstellung eines Gutachtens und die Beschaffung eines Kraftfahrzeuges für die berufliche, medizinische oder soziale Rehabilitation. Neben den Anschaffungskosten werden auch die notwendigen Zusatzausstattungen sowie Umrüstungen bezahlt. Die Finanzierungshilfen gibt es als Zuschüsse, in manchen Fällen auch als Darlehen.

Voraussetzungen

Zwei Voraussetzungen muß die behinderte Person erfüllen, um überhaupt von einem Kostenträger Geld bekommen zu können. Zum einen muß sie auf Grund ihrer Behinderung dauernd auf ein Kraftfahrzeug angewiesen sein und sie muß dies Fahrzeug selber führen; hier gilt erweiternd, daß das Fahrzeug auch von einer anderen Person für die behinderte Person geführt werden darf.
Weiterhin ist entscheidend, zu welchem Zweck das Auto benötigt wird: entweder zur Ausübung einer beruflichen Tätigkeit oder zur sozialen Wiedereingliederung. Denn davon hängt die Zuständigkeit des Kostenträgers ab.

Welcher Kostenträger finanziert?

Die Bundesanstalt für Arbeit übernimmt die Finanzierungshilfe für behinderte ArbeitnehmerInnen, wenn diese weniger als 15 Jahre Rentenversicherungsbeiträge eingezahlt haben.

Die gesetzlichen Rentenversicherungsträger übernehmen die Finanzierungshilfe, wenn die behinderten ArbeitnehmerInnen mindestens 15 Jahre Rentenversicherungsbeiträge gezahlt haben.

Die gesetzlichen Unfallversicherungen und Berufsgenossenschaften sind für die Finanzierung zuständig, wenn eine Berufskrankheit oder ein Arbeitsunfall vorliegt.

Die Kriegsopferfürsorge bezahlt, wenn die Vorschriften des Bundesversorgungsgesetzes gelten, also bei Behinderungen, die man im Wehrdienst bekam oder bei Kriegsopfern und bei anderen Behinderten, die durch jene Vorschriften erfaßt werden.

Für alle anderen behinderten Berufstätige tritt die Hauptfürsorgestellein Finanzierungsfragen ein.

Autor

Edmund Friedrich ist Mitarbeiter der DIAS GmbH in Hamburg.
Die DIAS GmbH nimmt für Krankenkassen, Verbraucherschutzverbände und
Hersteller Hilfsmitteltests und -prüfungen vor und führt Marktanalysen im
Hilfsmittelbereich durch.

DIAS GmbH
http://www.dias.de

 


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