Informationsportal für Menschen mit Behinderung, die Auto fahren


Navigation

Suche

Inhalt

Barrierefrei mobil

Viele Menschen mit Behinderung können nach einem Fahrzeugumbau problemlos Auto fahren.

Für das Lebensgefühl vieler Menschen mit Behinderung ist die Möglichkeit wichtig, sich individuell mit dem Auto fortbewegen zu können. Technische Umrüstungen und Fahrhilfen ermöglichen immer mehr Menschen mit Handicap, ganz selbstverständlich und ohne fremde Hilfe am Straßenverkehr teilzunehmen. Spezialisierte Fachbetriebe übernehmen den behindertengerechten Umbau und wissen auch, ob danach eine so genannte Änderungsabnahme durch einen Sachverständigen und eine Eintragung in die Fahrzeugpapiere erfolgen muss. Die Verbesserung der Mobilitätsbedingungen von Menschen mit Behinderung spielt im Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG) aus dem Jahr 2002 eine wesentliche Rolle. Alle öffentlich-rechtlichen Bereiche sollen zukünftig barrierefrei genutzt werden können, also uneingeschränkt von jedem Menschen, unabhängig von einer eventuell vorhandenen Behinderung.

Fahrhilfen

Nach bescheidenen Anfängen vor einigen Jahrzehnten mit sperrigen, rein mechanischen Hilfsmitteln ist die Auswahl an Fahrunterstützungen inzwischen groß. Edmund Friedrich vom Informationsportal autoanpassung.de, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert wird, gibt eine Übersicht: „Vom System ‚Franz’ für das Lenken mit den Füßen bis zum nach links versetzten Gaspedal für alle, deren rechtes Bein nicht mehr vorhanden oder steif ist – mittlerweile existieren technische Lösungen für fast alle Behinderungen. Dazu gehören auch ein Handgas-Ring am Lenkrad oder ein kombinierter Gas-Bremshebel. All diese Systeme lassen sich immer besser in die Fahrzeuge integrieren, ohne dass dadurch Einbußen beim Komfort oder bei der Sicherheit entstehen.“ Den individuellen Anforderungen sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Experte Friedrich: „Für kleinwüchsige Menschen gibt es eine Vielzahl von Verlängerungen, damit das Lenkrad und die Hebel oder Griffe erreicht werden können, die Gangschaltung, der Automatikwahlhebel und die Feststellbremse bedient und schließlich der Sicherheitsgurt angelegt werden kann. Alternativlösungen sind etwa ein Fahrrad-Lenker oder eine Fernbedienung für Blinker, Wischer und Licht.“ Noch in der Entwicklungsphase ist das so genannte „Steer-by-Wire“. Bei diesem System fällt die mechanische Verbindung zwischen Lenkeinheit und den gelenkten Rädern völlig weg, gelenkt wird nur noch elektronisch über einen Joystick.

Einstiegs- und Verladehilfen

Die geeignete Einstiegshilfe muss genau wie die Fahrhilfe individuell ausgewählt werden. Für kleinwüchsige Menschen etwa können zum Ein- und Aussteigen Trittstufen, Aufstehhilfen sowie eine Sitzschienenverlängerung und angepasste Sitzhöhenverstellung nachgerüstet werden. Gerade für einen Rollstuhlfahrer bedeutet es jedes Mal einen großen Kraftaufwand, wenn er sich ins Auto setzt. Experte Friedrich: „Für Mini-Vans und Busse bietet sich eine kombinierte Lösung aus Fahrzeugabsenkung und ausklappbaren Rampen bzw. einem Unterflurlift an. Der Sitz kann je nach Anforderungen schwenkbar gemacht oder gar ganz ausgebaut werden.“ Solche Systeme mit Fahrzeugabsenkung und Rampen werden auch beim Transport von Rollstuhlfahrern eingesetzt, die nicht selber am Steuer sitzen. Was die Verladesysteme für Rollstühle bei Selbstfahrern angeht, hat Friedrich eine klare Präferenz: „Manuell zu bedienende Verladesysteme sind meist alltagstauglicher als komplizierte technische Systeme. Als Faustregel gilt: Je komplizierter die Technik des Verladesystems, desto höher ist ihre Störanfälligkeit. Verladesysteme müssen zudem zu den häufig genutzten Abstell- und Parkplätzen passen. Je nach Bauart erfordern sie mehr oder weniger Platz für das Ein- und Ausladen des Rollstuhls.“ Mitgenommen werden kann der Rollstuhl im Kofferraum, auf dem Rücksitz oder auf dem Dach. Für alle drei Möglichkeiten existieren Liftsysteme mit Hebeeinrichtung, mit deren Hilfe der Rollstuhl an den vorgesehenen Platz gebracht und dort während der Fahrt gesichert wird.

Ansprechpartnerin:

Marion Pieper-Nagel
Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V.
Beueler Bahnhofsplatz 16
D-53222 Bonn
Tel.: 0228 40001 57
Fax: 0228 40001 15
E-Mail: mpieper-nagel@dvr.de

DVR-Infodienst  (Infodienst des Deutschen Verkehrssicherheitsrates e.V), 2-2009


nach oben