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Wohin mit dem Rollstuhl im Auto (Teil 1)

Von Edmund Friedrich

Individuelle Mobilität ist ein wesentlicher Beitrag zur beruflichen und sozialen Integration. Für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer, die selber aktiv Auto fahren, sind vor allem zwei Anforderungen wichtig. Sie müssen vom Rollstuhl heraus gut in das Auto übersetzen können und im Auto ausreichend Verstauraum für den Rollstuhl haben. Im folgenden Artikel wird nur der zweite Gesichtspunkt, das Verladen eines Rollstuhls, beschrieben.

Wie und an welche Stelle im Auto man nun den Rollstuhl verlädt, hängt von der persönlichen Mobilität (und natürlich Gewohnheiten oder ganz persönlichen Wünschen) ab. Weil dies jede Frau und jeder Mann nur für sich entscheiden kann, wird hier einzig der “technische” Verladevorgang berücksichtigt. Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt sind einzelne Abmessungen des Autos, auf die im Folgenden auch jeweils hingewiesen wird. Eine entscheidende Rolle spielt bei der Verladung, ob man den Rollstuhl selbständig verladen kann (möchte) oder ob ein Verladesystem benötigt wird.

Zunächst werden hier die Möglichkeiten beschrieben, die sich beim selbständigen Verladen eines Rollstuhls ergeben.

Rollstuhlverladung im Kofferraum
Rollstuhlverladung im Kofferraum 

Selbständiges Verladen

Ein Auto bietet eigentlich nur zwei Räume zum Verstauen: Den Fahrzeuginnenraum und den Lade- oder Kofferraum. Wer den Rollstuhl im Kofferraum verstaut, muss natürlich in der Lage sein, selbständig von dort zum Fahrersitz zu gehen.

Rollstuhl im Lade- oder Kofferraum verladen

Beim Verladen in den Lade- oder Kofferraum sollten Sie besonders auf bestimmte Abmessungen des Autos achtgeben.

Laderaumbreite

Je größer der Stauraum des Autos, desto einfacher ist das Einladen eines Rollstuhls. Das ermöglicht unter Umständen auch die Mitnahme eines nicht faltbaren Rollstuhls. Bei der Größe sollte man auf die Höhe und Breite des Laderaums achten. Die Laderaumbreite wird entscheidend bestimmt durch den Abstand zwischen den inneren Radkästen.

Ladekantenhöhe

Autos mit einem Schräg- oder Stufenheck haben meistens eine Ladekante, die höher ist als die Ladefläche. Je niedriger also die Ladekante, desto leichter lässt sich der Rollstuhl verladen.

Tipps

  • Probieren Sie das Verladen des Rollstuhls vor dem Autokauf aus. Benutzen Sie dazu Ihren schwersten oder sperrigsten Rollstuhl. Gewicht und Zerlegbarkeit des Rollstuhls spielen eine entscheidende Rolle, wenn man diesen ohne Hilfe verlädt.
  • Der Rollstuhl ist bei einem Unfall oder einer Vollbremsung ein Verletzungsrisiko. Deshalb sollten Sie auf eine ausreichende Sicherung des Rollstuhls im Laderaum achten.
  • Je nach persönlicher Mobilität kann für den Gang zum Fahrzeugheck eine Dachreling am PKW zum Festhalten hilfreich sein.
  • Die Auswahl des richtigen Fahrzeugtyps kann beim täglichen Gebrauch viel Mühen beim Be- und Entladen ersparen. Im Unterschied zu Limousinen mit Schräg- oder Stufenheck haben Kombifahrzeuge in der Regel keine erhöhten Ladekanten. Ladefläche und Ladekante sollten möglichst gleich hoch sein. Das Ein- und Ausladen des Rollstuhls wird dadurch sehr erleichtert.
  • Rollstuhl auf den Beifahrersitz
  • Rollstuhl auf den Beifahrersitz

Rollstuhl im Fahrzeuginnenraum verladen

Für das Verladen eines Rollstuhls im Fahrzeuginnenraum gibt es mehrere Möglichkeiten. Welche davon man nutzt, hängt vom Raumangebot, der persönlichen Mobilität, den eigenen Bedürfnissen und natürlich dem Rollstuhl selbst ab. 

Auf den Beifahrersitz

Der Rollstuhl wird vom Fahrersitz aus auf den Beifahrersitz verladen. Dort haben sowohl ein Faltrollstuhl als auch ein Starrrahmenrollstuhl Platz. Vom Starrrahmenrollstuhl müssen aber die Räder und meist noch weitere Bauteile abmontiert werden.

Für das Umsetzen vom Rollstuhl ins Auto sind Zweitürer besser geeignet als Viertürer, da deren Türen meist breiter sind und sich weiter öffnen lassen. Durch die größere Türbreite wird auch das Verladen des Rollstuhls über den Fahrersitz hinweg auf den Beifahrersitz erleichtert.

Weiterhin sollte sich der Sitz weit genug nach hinten verschieben lassen, damit zwischen dem Lenkrad und der Person ausreichend Platz zum Durchreichen des Rollstuhls ist.

Tipps

  • Beim Hinüberheben des Rollstuhls auf den Beifahrersitz können Mittelkonsole und Schalthebel stören. Probieren Sie deshalb bei der Autoauswahl das Verladen mit Ihrem Rollstuhl aus.
  • Der verstaute Rollstuhl muss ausreichend gesichert sein. Zur Sicherung wird meistens der Sicherheitsgurt benutzt.
Rollstuhl hinter den Beifahrersitz
Hinter den Beifahrersitz

Für diese Verladevariante steigt man auf der Beifahrerseite ein, faltet den Rollstuhl zusammen und rutscht auf die Fahrerseite rüber. Der Beifahrersitz wird nach vorn geschoben und der Rollstuhl ins Auto hinter den Sitz gezogen. Dafür sind nur Faltrollstühle geeignet.

Für das Hineinziehen des zusammengefalteten Rollstuhls benötigt man ausreichend Platz zwischen dem Sitz und der B-Säule. Die Türöffnung sollte deshalb möglichst breit sein. Zweitürige Autos haben meistens breitere Türöffnungen.

Neben einer breiten Türöffnung sollte sich auch der Beifahrersitz weit genug nach vorn schieben lassen, damit für den Rollstuhl ausreichend Stauraum vorhanden ist. Das sollten Sie bei der Fahrzeugauswahl berücksichtigen und ausprobieren.

Tipps

  • Beim Umsetzen vom Beifahrer- auf den Fahrersitz können eine hohe Mittelkonsole, Schalthebel und Feststellbremse stören. Am besten probiert man das Umsetzen bei der Fahrzeugauswahl aus.
Auf dem Rücksitz

Das Einladen des Rollstuhls geschieht vom Fahrersitz aus. Der Beifahrersitz wird dafür nach vorn geschoben und seine Rückenlehne nach vorn geklappt. Es können sowohl Faltrollstühle als auch Starrrahmenrollstühle verstaut werden. Vom Starrrahmenrollstuhl müssen aber die Räder und meist noch andere Bauteile abmontiert werden.

Welches Verladesystem das richtige ist, muss im Einzelfall entschieden werden. Bei den Informationen über Verladesysteme haben wir uns daran orientiert, wo der Rollstuhl im Auto untergebracht wird.

Im Koffer- oder Laderaum

Für die Mitnahme des Rollstuhls im Koffer- oder Laderaum werden spezielle Verladesysteme angeboten. Welches in Frage kommt, hängt auch von der Mobilität des Rollstuhlfahrers ab. Wenn der Weg vom Fahrzeugheck zum Fahrersitz ohne Rollstuhl bewältigt wird, nur das Verladen Probleme bereitet, benötigt man einen Koffer- oder Laderaumlift. Dieser ist im Fahrzeugheck eingebaut.

So wird der Rollstuhl verladen
  • Heckklappe wird geöffnet.
  • Rollstuhl wird zusammengefaltet.
  • Rollstuhl wird am Liftarm oder -seil befestigt.
  • Lift wird per Knopfdruck betätigt und hebt den Rollstuhl in den Koffer- oder Laderaum.
  • Heckklappe wird per Hand oder Fernbedienung geöffnet und geschlossen.

Tipps

  • Bei der Auswahl des Verladesystems ist dessen Traglast zu beachten. Sie ist bei einigen Modellen auf 30 kg beschränkt.
  • Wenn der Koffer- oder Laderaum groß genug ist, können auch andere Rollstuhlarten eingeladen werden, z.B. Starrrahmen- oder Elektrorollstühle.
  • Ein guter Umrüster klärt darüber auf, für welche Autos der gewünschte Lift geeignet ist.
  • Hinter dem Fahrzeugheck muss ausreichend Platz zum Ein- und Ausladen des Rollstuhls vorhanden sein.

Wer den Rollstuhl im Koffer- oder Laderaum verladen möchte, aber den Weg zum Fahrersitz nicht bewältigt, kann einen Kofferraumlift einbauen lassen, der den Rollstuhl am Fahrersitz “abholt”. Der Lift wird im Koffer- oder Laderaum montiert.

Erschienen in BAG Selbsthilfe 2-2010


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