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Wohin mit dem Rollstuhl im Auto (Teil 2)

Von Edmund Friedrich (ohne Abbildungen)

Verladesysteme für den Rollstuhl

Wer für das Einladen des Rollstuhls technische Unterstützung benötigt, hat eine recht große Auswahl an Hilfsmitteln. Es gibt Verladesysteme für den Fahrzeuginnenraum, den Koffer- oder Laderaum und für das Autodach. Für welche Version soll man sich entscheiden? Die folgenden Tipps sollen die Überlegungen dazu etwas erleichtern:

Tipps

  • Fahrzeug, Rollstuhl und Verladesystem müssen zueinander passen. Rollstuhlmaße und Fahrzeugeigenschaften sind zu berücksichtigen.
  • Wo ist im Auto der beste Platz für den Rollstuhl? Mitfahrende oder Transportgut benötigen ebenfalls Platz.
  • Manuell zu bedienende Verladesysteme sind meist alltagstauglicher als komplizierte technische Systeme. Als Faustregel gilt: Je komplizierter die Technik des Verladesystems, desto höher ist ihre Störanfälligkeit.
  • Verladesysteme müssen zu Abstell- und Parkplätzen passen. Je nach Bauart beeinflussen sie Fahrzeugabmessungen und erfordern Platz für das Ein- und Ausladen des Rollstuhls.

Welches Verladesystem das richtige ist, muss im Einzelfall entschieden werden. Bei den Informationen über Verladesysteme haben wir uns daran orientiert, wo der Rollstuhl im Auto untergebracht wird.

Im Koffer- oder Laderaum

Für die Mitnahme des Rollstuhls im Koffer- oder Laderaum werden spezielle Verladesysteme angeboten. Welches in Frage kommt, hängt auch von der Mobilität des Rollstuhlfahrers ab. Wenn der Weg vom Fahrzeugheck zum Fahrersitz ohne Rollstuhl bewältigt wird, nur das Verladen Probleme bereitet, benötigt man einen Koffer- oder Laderaumlift. Dieser ist im Fahrzeugheck eingebaut.

So wird der Rollstuhl verladen
  • Heckklappe wird geöffnet.
  • Rollstuhl wird zusammengefaltet.
  • Rollstuhl wird am Liftarm oder -seil befestigt.
  • Lift wird per Knopfdruck betätigt und hebt den Rollstuhl in den Koffer- oder Laderaum.
  • Heckklappe wird per Hand oder Fernbedienung geöffnet und geschlossen.

Tipps

  • Bei der Auswahl des Verladesystems ist dessen Traglast zu beachten. Sie ist bei einigen Modellen auf 30 kg beschränkt.
  • Wenn der Koffer- oder Laderaum groß genug ist, können auch andere Rollstuhlarten eingeladen werden, z.B. Starrrahmen- oder Elektrorollstühle.
  • Ein guter Umrüster klärt darüber auf, für welche Autos der gewünschte Lift geeignet ist.
  • Hinter dem Fahrzeugheck muss ausreichend Platz zum Ein- und Ausladen des Rollstuhls vorhanden sein.

Wer den Rollstuhl im Koffer- oder Laderaum verladen möchte, aber den Weg zum Fahrersitz nicht bewältigt, kann einen Kofferraumlift einbauen lassen, der den Rollstuhl am Fahrersitz “abholt”. Der Lift wird im Koffer- oder Laderaum montiert.

So wird der Rollstuhl verladen:
  • Der Rollstuhl wird mit der Hand vom Fahrersitz aus zusammengefaltet.
  • Die Heck- oder Kofferraumklappe öffnet sich per Knopfdruck, der Tragarm des Lifters schwenkt heraus zum Rollstuhl neben den Fahrersitz.
  • Der Rollstuhl wird per Hand in den Tragarm eingeklinkt.
  • Der Lift schwenkt nach hinten und lädt den Rollstuhl ohne fremde Hilfe in den Koffer- oder Laderaum.
  • Kofferraum- oder Heckklappe schließt automatisch.

Tipps

  • Nicht alle Kofferraumlifte sind für jeden Fahrzeugtyp geeignet.
  • Die Kofferraumlifte haben unterschiedliche Traglastgrenzen.
  • Für den Verladevorgang wird hinter und neben dem Fahrzeug ausreichend Platz benötigt.
  • Der Verladevorgang ist komplex und störanfällig. Bei einer Fehlfunktion können andere Personen und der Straßenverkehr gefährdet werden.
  • Es können nur Rollstühle im gefalteten Zustand verladen werden.

Auf dm Rücksitz

Wer seinen Rollstuhl lieber im Fahrzeuginnenraum mitnehmen möchte, lässt eine Verladehilfe im Rückraum, hinter seinen Fahrersitz einbauen. Die Verladehilfe holt den Rollstuhl quasi ab und verlädt ihn automatisch in das Auto. Dafür muss die Rückbank zumindest teilweise ausgebaut werden, man verliert also mindestens einen weiteren Sitzplatz. Zudem wird die hintere Tür gegen eine Schwenktür ausgetauscht.

So wird der Rollstuhl verladen:
  • Die hintere Schwenktür öffnet sich elektrisch und der Liftarm schwenkt automatisch nach vorn neben den Fahrersitz.
  • Der Rollstuhl wird zusammengefaltet.
  • Der gefaltete Rollstuhl wird vom Fahrersitz aus in den Liftarm eingehängt, dieser schwenkt dann per Knopfdruck nach hinten in den Fahrzeuginnenraum.
  • Die Schwenktür schließt automatisch.

Tipps

  • Für den Einbau einer Schwenktür wird ein 4-türiges Auto benötigt.
  • Die Verladesysteme sind nicht immer für alle Fahrzeugtypen geeignet.
  • Manche Verladesysteme nehmen auch einen Teil des Kofferraumplatzes in Anspruch.
  • Es können nur Faltrollstühle verladen werden.
  • Für das Einhängen des Rollstuhls in den Liftarm ist es notwendig, sich mit dem Oberkörper weit vom Fahrersitz aus dem Auto herauszulehnen. Ein seitlich am Sitz angebrachtes klappbares Sitzbrett kann bei diesem Vorgang unterstützen.

Auf dem Autodach

Für die Mitnahme eines Rollstuhls auf dem Autodach entscheiden sich Personen, die den Fahrzeuginnenraum und den Koffer- oder Laderaum nicht für den Rollstuhl verwenden wollen. In diesem Fall wird ein Lifter mit einer Box auf das Autodach montiert. Der Rollstuhl wird dann automatisch verladen.

So wird der Rollstuhl verladen:
  • Der Rollstuhl wird per Hand gefaltet.
  • Der zusammengefaltete Rollstuhl wird in die Aufnahmevorrichtung des Dachliftes eingeklinkt.
  • Per Knopfdruck wird der Lift betätigt und hebt den Rollstuhl in die Dachbox.
  • Die Dachbox schließt sich selbsttätig.

Tipps

  • Es können nur Faltrollstühle verladen werden.
  • Dachlifter sind nicht für jedes Fahrzeug verwendbar.
  • Für viele Dachlifter muss die zulässige Dachlast mindestens 75 kg betragen.
  • Durch den Aufbau erhöht sich der Fahrtwiderstand und der Kraftstoffverbrauch.
  • Die Dachbox verändert die Fahrzeughöhe. Darauf muss bei Garagen und Parkhäusern geachtet werden.
  • Bei niedrigen Außentemperaturen kann die Funktionsfähigkeit des Liftes beeinträchtigt werden. Zudem wird der Rollstuhl kalt, was für viele Nutzer ein Problem darstellt.

Erschienen in BAG Selbsthilfe 3-2010


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